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Der Künstler hat aber nicht bloszu bcurtheilen, wo sich Verzierungenfchiken, sondern auch wie sie beschaf-fen seyn sollen. Quintilian hat inwenig Worten gesagt, was sich hier-über sagen läßt: Ornatu« virllis,sortis, läuätus lit; nee eKemina.tarn levicgtem, nec sueo eminen-tem colorem smer; sanAuine etviribus niceot. Die Verzierungensollen männlich, kraftig und keuschseyn ; sie sollen nicht weibischen Leicht-sinn verrachen, auch nicht bloßenSchimmer geben, sondern wahreastheujche Kraft und Bedeutunghaben.
Die meisten in der reinen grie-chischen Baukunst gebräuchlichen Ver-zierungen, können als Benspiele zurErläuterung dieser Fodcrungeu an-geführt werden. Mau begreift bcy-nahe bey allen, wie sie entstanden,oder warum sie da sind, wie wirgrößtentheils in den Artikeln darüberangemerkt haben:*) und meist über-all dienen sie, das Ansehen der Fe-stigkeit zu vermehren. Also sind sienicht leichtsinniger Weise, oder ausbloßem Eigensinn angebracht: fastüberall sind sie einfach und von faß-licher Form, also nicht ausschwei-fend oder üppig; sie haben eine Be-deutung, indem sie entweder zumTragen, oder Unterstützen dienen, wiedie Kragsteine, oder zum festern Ver-binden, wie die Schlußsteine und diedurchlaufenden Bänder und Gesimse,oder sonst schikliche Nebcnbegriffc er-weken, wie die Trophäen, Fcstonenund dergleichen. Nirgend sind siebloßer Schimmer, der ohne bestimm-ten Zwck blos das Auge an sichlokte: nirgend verbergen sie die na-türliche Form und einfache Gestaltder wesentlichen Thcilc, an denen sieangebracht sind.
Hingegen sichet man in den spateren Gebäuden der Alten, die unter
*) S. Gesims i Sparrenkopfz Krag,stein u. s. w.
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den Nachfolgern der ersten Kaiseraufgeführt worden, Verzierungen,die nichts von den erforderlichen gu-ten Eigenschaften an sich haben.Thcile, die stark und fest seyn sol«len, bekommen durch ausgeschnitz-tes Laubwerk das Ansehen, als ohsie schwach und zerbrechlich waren.Man sieht Laub- und Schnitzwerk,dessen Grund man nicht einsehenkann; ausgchaueneBildcr an Schluß-steinen, die ein bloßes Ohugcfähr,oder eine völlig ausschweifende,abentheucrlichc Phantasie dahin se-tzen konnte. Was seinerNatur nachgerade oder glatt seyn sollte, ist zurvermeyntcn Zierde zerbrochen odervcrkropft, oder durch Schnitzarbeitkraus gemacht.
Man kann kaum sorgfältig genugseyn, zu verhüten, daß die Verzie-rungen nicht am unrechten Orte an-gebracht, nicht zu überhäuft seycn,nicht gegen die Art und gegen denCharakter des Werks, oder der Thei-lc, denen sie zur Zierde dienen sol-len, streiten. Was nicht einen we-sentlichen Theil hebt, oder unter-stützt, oder angenehmer macht,was blos angehängt ist, scheint ver-werflich.
Aber es wäre vergeblich, eine Ma-terie, wobcy es mehr auf gründlichenund feinen Geschmak, als auf cnt-wikeltcs Denken ankommt, umständ-licher zu behandeln.
Verzierungen (Decorationen)nennt man auch die Veranstaltun-gen, wodurch auf der Schaubühneder Ort der Handlungen durch Mah-lerey vorgestellt wird: aber uueigent-lich; denn diese Verzierungen sindnicht Nebensachen zur Verschöne-rung, sondern wesentlich zum Schau-spiel gehörige Sachen. Von denVeranstaltungen der Schaubühne,wodurch die Vorstellung des Ortsder Handlung i» jedem Falle kannbewürkt werden, und von zder Wahlder Scene haben wir bereits gespro-chen.