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kleines und kindisches. Wie dieVernunft bey kleinen Geistern inSpitzfündigkeit ausartet, so artet derGcschmak am Schonen bey kindischenGemächern in Ziererey aus.
Co gewiß es ist, daß ein maßigerund von gesundem Geschmak begleite-ter Gebrauch der Verzierungen, denWerken der schonen Künste Annehm-lichkeit und Reizung gicbt: so gewißist es auch auf derandern Seite, daßüberhäufte und ohne Geschmak ange-brachte Verzierungen das beste Werkverächtlich machen. Wenig und mitgutem Geschmak gewählter Schmuk,kann auch der schönsten Person nochAnnehmlichkeit beylegen; aber woalles von Gcschmcid und Schmuk stro-tzet, da wird die natürliche Schön-heit verdunkelt.
Ein vortrefflicher Kunstrichter schei-net die Verzierungen' in den Werkender Beredsamkeit für Dinge zu hat-tc», die man mehr dem gemeinenLiebhaber als dem Kenner zugefallenanbringt.*) Wahre Kenner sehenüberall auf das Wesentliche der Din-ge, und finden das größte Wohlge-fallen an Vollkommenheit; wer abernicht Gefühl genug hat, durch diewesentliche Vollkommenheit der Din-ge gerührt zu werden, ergötzet sichan angehängten Zicr.athen. So vielscheinet gewiß zu seyn, daß die größ-ten Künstler in jeder Art auch diegrößte Sparsamkeit in Verzierungenzeigen. An den griechischen Gcbäu-den, die aus der guten Zeit der Kunstübrig geblieben sind, findet man nurwenig Verzierungen; äußerst ver-schwendet sind sie aber an den sogenannten gothischcn Gebäuden derMittlern Zeiten, die man durchSchönheit und Pracht unterscheidenwollte.
*) OIru er vrnaru ke comrnen6,r !ple,qrii äicir, er in cereris juMcium äc>-Üorum, in doe vero eriirm pepuls-rein lau lern ocrir. Ouintil. Inlt. l..VIII. e. Z.
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Es ist kaum ein Theil der Kunst,der mehr Geschmak und Beurthei-lung erfodcrt, als dieser. Der Künst-ler thut wol, der es sich zur Maximemacht, in Ansehung der Verzierun-gen lieber ;u wenig, als ?u viel zuthun, da der gänzliche Mangel derVerzierungen kein Werk mangelhaftmacht, die Ueberhäufung derselbenaber es gewiß verstellt.
Es giebt Werke der Kunst, diekaum irgend eine Art der Verzierungzulassen. Wo starke, oder tiefe Ruh«rung des Herzens gesucht wird, folg-lich in pathetischen und zärtlichenGegenstanden, scheinen sie gar nichtstatt zuhaben. Man kann überhauptdieses zur Grundregel der Verzierun-gen setzen, daß ein Werk um so vielweniger Zierrath vertragt, je mehrwesentliche ästhetische Kraft es befitzt.Man findet in den Philippischcn Re-den des Dcmosihencs, und in denCatilinarischen und Philippischen desCicero nichts von Schmuk, den derrömische Redner sonst, wo er weni-ger ernsthaft war, vielleicht nur zuviel liebte. In blas unterhaltendenWerken, und überall, wo derJnhalt,oder die Materie an sich weniger wich-tig, weniger ernsthast ist, könnendie Verzierungen zu Vermehrung derAnnehmlichkeit viel beytragen.
Der Künstler, dem es ein wahrerErnst ist, zu unterrichten, oder zurühren, denkt nie an Verzierungen,die dazu nichts beytragen können;aber der, der belustigen will, muß,wenn sein Stoff dazu nicht hinrei-chend ist, seine Zuflucht zu Verzie-rungen nehmen. Die griechischenFabeln, die dem Aesopus zugeschrie-ben werden, und die lateinischen desPhädrus, sind fast durchaus ohnealle Verzierung, weil es den Verfas-sern im Ernst um Unterricht zu thunwar: hingegen stehet man aus denhäufigen Verzierungen in den Fabelndes La Fontaine, daß er mehr gesuchthat zu belustigen, als zu unterrichten.
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