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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
678
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Aber die Verwiklnng kaim auch sogroß scyn, daß sie der Empfindungschadet. Nachdenken und Rührung»csHerzens können nicht wol nebeneinander bestehen. Je mehr der Geistbcfchäfftigetist, je weniger fühlt dasHerz. Wir haben nicht Zeit, zu em-pfinden, wenn wir unaufhörlich beob-achten müssen. Wenn demnach eineHandlung so sehr vcrwikclt ist, daßwir alle Kräfte der Aufmerksamkeitvöthig haben, sie zufassen, folglichblos mit Erkennen und Erforschenbcfchafftiget sind, so fühlen wir we-nig dabei). Ein Trauerspiel, odereine Epopöe, wo die Aufmerksamkeitauf den Vtrlauf der Dinge unauf-hörlich so gespannt ist, daß man keinecinzcle Lage mit Leichtigkeit übersehenoder fassen kann, thut wenig Wür-^ fung auf das Herz: man hat genug

mit Erforschung und Beobachtungdes Zusammenhanges zu thun, undbey dieser Anstrengung, bei) dieserHitze der Vorstellungskraft, bleibetdas Herz kalt, weil man nicht Zeithat, bey irgend einer Lage der da-chen still zu stehen, um ihren Ein-drnk zu empfinden. Darum ist eineinfacher Plan dem verwikeitcn vor-zuziehen.

(*) Bon der Verwickelung im epi-schen Gedickte handeln unter mehrern;Rene le Dossu (Im ,?t. iztcnKap.des eleu Buches s. 'I>sire <ku ?»sn>sepiczuc, und jwar.llu noeuci er äu 6e.Nvuemenr; lle ia moniere clc kz?re lenoeucl; rle I» moniere cie Faire le (le-naucmenr.) Von der Verwicke-lung im Drama: Oer Verf. des LissyUpen rbe prekenr klare c>t rlle Vtisz-rrez in prsnce, ecc. Im ptcn Kap. -»»Cailhava (Im 8tcn Kap. des itcn Bds.und im i!tcn u. f. Kap. des -tcn DdS.f. slirc cke I» Lnmcikic, Ausgabe von>??!.) S. übrigens die Ar-tikel Auflösung, Label, S. >6g. u.b. w.

Verzierungen.

(Schöne Künste.)

Eind cinzcle kleine Thcilc, die nichtzur weseinlichcn Beschaffenheit einesWerks der Kunst gehören, sondernblos zur Vermehrung der Annehm-lichkeit ihm beygefügt, und gleich,sam angehängt sind. In der Bau.knust sind die Statuen, Vasen, Laub-iind anderes Schnitzwei k, womit we-seutliche Thcile des Gebäudes ge-schmükt werden, Verzierungen. Inder Beredsamkeit und Dichtkunst iver-dcn alle Nebenbegrissc, eingeschalteteGedanken, Episoden, die dem We-sentlichen mehr Annehmlichkeit geben;iu der Musik die verschiedenen Ma-nieren und Veränderungen *), die bloseine mehrere Annehmlichkeit zur Ab-sicht haben, zu den Verzierungen ge-rechnet. Sie können überall, wosie angebracht sind, weggenommenwerden, ohne das Werk mangel-haft zu machen, oder seine Art zuverändern

Die Verzierungen haben ihren Ur-sprung in dem allen Menschen angc-bohrncn Gcschmak für das Schöne.Es ist kaum ein Volk auf der Erdeso roh, daß es für Verzierungen ganzunempfindlich wäre. Der noch halb,wilde Mensch findet Gcschmak am Ge-schmeide, womit er seine halb-oderganz nakcnde Glieder verzieret; undder in der höchsten Einfalt der Na-tur lebende Hirt zieret seinen Stab,oder seinen Becher mit Schnitzwcrk.Dieser Gcschmak zeiget, daß in dermenschlichen Natur etwas höheresund cdlers sey, als in der thierischen,die keine Empfindungen kennt, als dieaus körperlichen Bedürfnissen entste-hen. Völlige Unempfindlichkeit füralle Verzierung würde thicrischc Ro-higkeitcN verralhen; ans der andernSeite hingegen zeiget ein unmäßi-ger Gcschmak an Verzierungen etwas

klci-

*) S. Manieren; Veränderungen.