die Anstrengung. Es fcy also, daßwir durch Betrachtung der Dinge,rdcr durch Handlungen, die wir ver-richten. Vergnügen empfinden sollen,so muß in den Dingen, womit wiruns beschäftigen, Verwiklnng vor-kommen , die sich allmahlig auflöset.Da wir aber die Würkung der Kno-ten und ihrer Auflösung in den Wer-ken des Geschmaks an den angeführ-ten Orten hinlänglich betrachtet ha-ben, so wollen wir diesen Artikel blosauf solche Anmerkungen einschränken,daraus der Künstler beurtheilcn kann,wo er das Einfache und Plane, undwo er das Verwikclte vorzüglichbrauchen soll.
Es gicbt Falle, wo das Geradeund Einfache großes Wolgefallen cr-wekt, und wo es sogar bis zum Ent-züken gefällt; aber auch solche, woder Mangel der Verwiklnng die Sa-chen völlig gleichgültig und langwei-lig macht. Die einfache Pracht ver-schiedener Monumente der alten grie-chischen Baukunst, entzükt das Augeeines Kenners: aber ein Lustgarten,dessen Plan und Anordnung wir aufeinen Blik ganz übersehen; die Aus-senseite eines großen Gebäudes, dieinnere Anordnung einer großen Men-ge der darin befindlichen Zimmer, diewegen ihrer Einfalt gleich so in dieAugen fallen, daß man aus einemkleinen Theile die Beschaffenheit desGanzen erkennet, sind völlig gleich-gültige Dinge, bey denen wir ohnemerklichen Ücbcrdruß uns nicht ver-weilen können.
Verwiklnng scheinet überall noth-wcndig. wo ein Gegenstand blos dieVorstellungskraft eine merkliche Zeit-lang anhaltend beschäftigen soll; dennsie verursachet Nachdenken, Veob-t»ug, Vergleichung der Dinge, umihren Zusammenhang zu fassen. ,
In der Epopöe und in dem Dra-ma muß so viel Verwiklung seyn,als nöthig ist. die Aufmerksamkeitauf den Verlauf der Sachen gespannt
zu halte». Denn wenn auch gleich d»eganzeHandlung aufRührnng, oderErwekung der Empfindung abzielte,so wird dieser Endzwek doch nur insofern erhalten, als wir den Verlaufder Dinge mit Aufnierksamkciö beob-achten. Wir werden von dem leiden-schaftlichen Zustand der handelndenPersonen nur in sofern gerührt, undempfinden, was sie selbst empfinden,nur in sofern, als wir uns in ihreUmstände versetzen. Dieses thunwir aber nur, wen» wir alles, wasihnen begegnet, und alle Lagen, wo»in sie sich durch die ganzeHandlungbefinden, mit Aufmerksamkeit beob-achten. Wie man mit bloßen Füßenso schnell über glühende Kohlen weg.eilen kann, daß man ihre Hitze nichtempfindet, so machen auch die leiden-schaftlichen Eccnen keinen Eindrukauf uns, wenn die Aufmerksamkeitsich nicht dabei) verweilet, wenn wirnicht Zeit nehmen, oder uns dicMühenicht geben, sie zu fassen. Mit Auf-merksamkeit aber können wir keine»Gegenstand der Erkeiintniß betrach-ten, wenn nichts vcrwikcltes darinist. Weil also im Drama und inder Epopöe die Empfindung aus derAufmerksamkeit erfolget, mit der wirdie Lage der Sachen, und den Fort-gang der Handlimg beobachten, somuß norhwendig Verwiklung darinfcy». Liegt sie nicht schon in derArt, wie die Sachen geschehen, somuß der Dichter sie durch wolüber-legte Anordnung hereinbringen, ermuß Ulis die Würkung beschreiben,oder sehen lassen, ehe wir die Ursa-che davon erkennen; oder er maßuns die Ursache groß und wichtigvorstellen , ehe wir die Würkung da-von sehen. In Heyden Fällen ent-sieht eine Verwiklung; denn wir se-hen etwas, dessen Ursach, oderWür-kung uns eine Zeitlang verborgen ist,und dieses reizet die Aufmerksamkeitsehr kräftig zu genauer Beobachtungdes Zusammenhanges. -
Uu z Uber