Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
653
Einzelbild herunterladen
 

V er

Verminderter Drey-klang.

(Musik.)

Er besteht aus der Octave der klei-nen Terz und kleinen Quinte. DieseQuinte kommt allemal in der Moll-tonleiler von derSecunde zur kleinenSexte der Tonica vor, z. B- ^ moll:kl-o ll-e-k; sie bestehet aus zweyhalben Tönen ti -c unde-k undzwcyganzen e - 6 und ä - e. An sich ist siedissonirend, sie wird aber bey diesem* Accord als eine Consonanz behandelt,und ist, wie schon anderswo gezcigetworden, von der falschen Qumre,die in demQuintsextaccord vorkommt,sehr unterschieden *). In der Uin-kchrung wird sie zur großen Quarte,anstatt daß die falsche Quinte zumTriton wird **).

Je naher die kleine Quinte in demverminderten Dreyklangc dem Vcr.halrniß 5: 7 kömmt, je besser ist siein diesem Accord zu gebrauchen, undje weiter entfernt sie sich von demKlang der falschen Q-Uluce: eben soverhält es sich mit ihrer Umkchrung.Dieses scheint übrigens paradox zuscyn, weil die kleinen Quinten dieserArt in der Umkchrung als großeQuarten höher wie die Quinten selbstsind. Indessen ist das Gehör in Hey-den Fällen sehr mit diesen Verhält-nissen zufrieden, statt daß alle übri-gen, die der Vernunft nach richtigerzu scyn scheinen, nicht von dieserWürkung sind: in solchen zweifelhaf-ten Fällen ist das Gehör allemal einbesserer Richter, als die speculativi-schen Zahlenrechnuiigen oder Liaien-adzählungen. Unser tt-f, das vondem Verhaltniß 45 - 64 ist, klingtals kleine Quinte in dem verminder-ten Dreyklang am schlechtesten,- hin-gegen vollkommen gut als falscheQuinte, die die Septime des Fundq-

') S. Falsch; Qulnte (falsche).

*") S. Quarte; Triton.

Ver 6;z

mentaltones ist; so auch ihre Umkeh-rung. Die Ursache dieser Verschie-denheiten liegt darin, daß das 5 ge-gen die über ihr liegende Sccunde,als Octave vom Grundron, 8:9 aus-macht, folglich dissomrt, und dasQ des Fundamentalbasscs gleich insGefühl dringt, wozu noch die reinegroße Terz und Quinte vom Grund-ton das Ihrige beyrragcn; da hin-gegen von 7 nach 8 kl.'me wesentlicheSeptime ins Gefühl gebracht wird.

Der Gebrauch des vermindertenDrcykianges ist weit eingeschränkter,als der beyden andern »). Er kannweder ein Stük anfangen, noch en-digen. Er hat seinen Sitz auf derSecundc dcrMolltonleitcr, und führtam natürlichsten zu dem Accord derDominante; wenigstens wird dieserAccord bey jeder andern Fortschrci«tung übergangen, wie z. B.

6

Zwischen diesen beydeu Accorden istderkuduraccord als derDomiuaiiten-accord von moll übergangen wor-den *»).

Die Verwechslungen des vermin-derten Dreyklanges sino in der demArtikel DreMang nachstehenden Ta-belle unter den Buchstaben lc und nangezeigct.

Verrükung.

(Musik.)

Aurch dieses Wort bezeichnen wireine nur eine kurze Zeit dauernde,oder aus gewissen Absichten glüklichveranstaltete Zerstörung der Harmo-nie, oder Ordnung, da ein oder mehrTöne aus ihrer Stelle entweder völ-lig oder zu früh wcggerükt werden.

Dcr-

*) S. Drcvklang.

") S. Ucbcrgang.