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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
649
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V e v

ein Hauptthcil ist, je mehr hat erMannichfaltigkeit und Schönheit,wodurch das, was ihm an Größeabgeht, ersi tzt wird. Der Kopf, alsder kleineste Theil, hat die größteSchönheit, der Rumpf, als der größ-te, hat die wenigste Schönheit; da-durch wird das Gefübl gleichsam ge-zwungen, das Ganze immer auf ein-mal zu fassen. Eben so genau sindauch die Theile der Hanpthcile abge-paßt, daß man niemals weiß, welchenman vorzuglich.betrachten soll. DieTheile des Gesichtes, Stirn, Wan-gen, Augen, Nase, Mund, Kinn,folgen derselben Regel; die Augengewinnen an Reiz, was ihnen anGröße fehlet, um die Aufmerksamkeitan sich zu ziehen, die Stirn und dieWangen, die wegen ihrer ansehnli-chen Größe starker ins Gesicht fallen,haben weniger Reiz, und so allesübrige, daß man niemals bcy einemTheile stehen bleibt, fondern immerauf das Ganze gefuhrt wird.

Anstatt also dem Redner, dem Dich-ter, dem Tonsetzer, dem Mahlcr unddem Baumeister wcitlauftig zu sage»,wie er in jedem Werk die Hauptthcileunter einander, und dann die Theileder Theile unter einander in guteVerhältnisse bringen soll, nicht blosin Verhältnis der Größe und Starke,sondern auch in die Verhältnisse derSchönheit, der vollkommenen Bear-beitung, des Hellen und Dunkeln,und aller andern Grade leidender Ei-genschaften, damit keiner über andrevon feiner Art herrsche, wollen wirsie alle auf eine fleißige und mit ge-nauer Ueberlcgung begleitete Betrach-tung des harmonischen Baues immenschlichen Körper verweisen.

Indem er aber dieses vollkommeneMuster aller guten Verhältnisse stu-diret, muß er nothwcndig die eigeneNatur und Bestimmung eines jedenTbeilcs genau vor Augen haben, cheer von seinem Verhältnis? gegen dasGanze sein Urthctl fallen kann.

Ver 649

Verhältnisse.

(Zeichnende Künsie.)

Es wäre ein völlig ungereimtes Un-ternehmen , allgemeine und doch be-stimmte Regeln für d^e Verhallnisseder Theile der schönen Form zu su-chen , da unendlich vielerlei) Formenbey ganz verschiedenen Verhältnissenschön seyu können, »nd überhauptdie Schönheit, folglich auch die Ver-hältnisse der Form, von der Nalnrder Sache, der die Form zugehorct,abhängen- Elne Schlange ist mitganz andern Verhältnissen schön, alsein viersüßiges Thier, und dieses alsein Vogel, (zu der Natur giebt eskeine tobte Formen, dergleichen dieFiguren der Geometrie sind: dieFormen natürlicher Körper sind nurwie Kleider anzusehen, die einemschon vorhandenen und seiner Be-stimmung gemäß eingerichteten Kör-per gut angepaßt sind. Bcy derForm also muß nothwcndig aus dieSache, der sie als ein Kleid zugehö-ret, ihre Natur und ihre Bestim-mung gesehen, und daher die Ver-hältnisse der Theile der Form bestimmtwerden. Ohne dieses wäre in denzeichnenden Künste» nichts gewissesmehr. Wer ein Trinkgeschirr macht,muß uothwcudig dabey aus den Ge-brauch desselben sehen, daraus dasAllgemeine der Form bestimmen, unddann ihr die Schönheit und denThei-leu die Verhältnisse geben, die sich zujener durch das Wesen bestimmtenForm am besten schiken. Davonaber läßt sich außer den allgemeinenGrundregeln, die in dem vorherge-henden Artikel berührt worden, nichtsnäher bestimmtes sagen.

Wo aber die zeichnenden Künstedie Gegenstände nicht erfinden, son-dern aus der Natur nachahmen, dableibt ihnen auch die Erfindung derForm nicht frcy; sie müssen sie neh-men, wie die Natur sie gemacht hat.Da diese gleichwol bcy Formen von

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