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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
647
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fts Mißverhältniß nothwendig an-stoßig. Eine sehr hohe und dabeystbr dünne Säule erwckt gleich dieVorstellung, daß sie zu schwach ist,die darauf gesetzte Last zu trage».Zwey ähnliche Glieder einesKörpers,die zu einerlei) Gebrauch dienen, wiedie Arme, die Füße, die Augen, müs-sen ihrer Natur nach gleich groß seyn.Ein Fehler gegen dieses Vcrhältnißwiderspricht diesem Grundgesetz.

Ein Gegenstand wird für wol pro-portionirt gehalten, wenn kein Thcildaran in seinem Maaße weder derGewohnheit »och der Natur wider-spricht. Alsdcnn zieht kein besondererThcil wegen seiner Große die Augenaufstch; man behält die vollige Frei-heit, das Ganze zu fassen, und denEindruk desselben zu fühlen. Manempfindet also vermittelst der gutenVerhältnisse die wahre Einheit derSache, wodurch der Eindruk, den siemachen soll, vollkommen werdenkann, weil von den Theilen, worausdas Ganze besteht, keiner die Auf-merksamkeit besonders auf sich zieht.Hingegen schadet der Mangel der gu-ten Verhältnisse sowol dadurch, daßdie unproportionirten Thcile unsrcVorstellungskraft auf sich lenken,folglich sie vom Ganzen abziehen; her-nach auch dadurch, daß sie durch dasWidersprechende, das jedes Mißver-hältniß hat, beleidigen. Ohne Voll-kommenheit der Verhaltnisse kannalso kein Gegenstand schon sepn.

Das Verhältnis; zeiget seine Wür.kung in allen Arten der Großen, nichtnur in der Ausdehnung. In jedemGegenstände, wo mehr Dinge zugleichin ein harmonisches Ganzes zusam-menfließen sollen, kann Verhältnißoder Mißverhältniß statt haben. AuchinDingen von ganz andrer Art, dieblos die innere Empfindung reizen,kann ein Theil zu viel oder zu wenigReizung in Absicht auf das Ganzehaben. Mithin hat die Betrachtungder Verhältnisse überall statt, wo

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Theile sind, deren Würkung Gradezuläßt. ^

In sichtbaren Gegenständen habenVerhältnisse statt: in der Große derTheile, indem einige zu groß oder znklein seyn können; in dem Lichte, in-dem einige zu hell, andre zu dunkelseyn können; in der Art der Kraftoder der Reizung, da ein Theil schö-ner, oder reizender, rührender, über-haupt kraftiger seyn kann, als es dasGanze vertragt. In Gegenständendes Gehörs haben Verhältnisse inder Dauer, in der Stärke des Tons,in der Höhe und Tiefe, in dem Reizoder der Kraft derselben statt. Eswäre demnach einJrrthum, zu glau-ben, daß nur in zeichnenden Künstenund in der Baukunst die guten Ver-hältnisse zu studiren seycn. JederKünstler muß sie beobachten; denndadurch entstehet das Ebenmaaß,oder die Harmonie, oder die wahreEinheit des Ganzen.

Hier entsteht also die Frage, wasder Künstler in jedem Werke, dasVcrhältniß der Theile erfodert, in An-sehung derselben zu überlegen habe?Verschiedene Philosophen und Kunst-richter haben bemerkt, daß die Ver-hältnisse am besten gefallen, die sichdurch Zahlen ausdrüken lassen, dieman leicht gegen einander abmessenkann, so wie die sind, wodurch inder Musik die Consonanzen ausge-drükt werden.") Man muß aberhierin nichts gcheimnißvolles oderunerklärbares suchen. Der Grunddavon wird siel>-bald offenbar zeigen,wenn man nur die Sache in ihremgehörigen Gesichtspunkt betrachtet.

Das Verhältnis' setzt zwei) Größenvoraus, weil es in Vergleichung oderGegencinandcrhaltung derselben be-steht. Num kommt es bcy der Größejedes Thcils darauf an, mit was füreiner andern Große man sie verglei-chen solle. Sind diese Größen zuEs 4 weit

*) S. Consonanz; Harmonie.