Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
643
Einzelbild herunterladen
 

V er

werde. Wo es aber nicht in die Au-gen fallt, daß die Falle völlig ähn-lich sind, da muk der Redner dieAehnlichkeitdcr Falle beweisen. Als-dann ist die ganze Rede im Grundenichts anders, als eine ausführlichbehandelte Vergleichuug.

Hier ist nur die Rede von kurzenVergleichungen, die keiner Ausfüh-rung bedürfen. Sie sind also diekürzesten und leichtesten Arten zu be-weisen, die allen andern Bcweisartenvorzuziehen sind. Diese Verglei-chuug aber ist mehr ein Werk desVerstandes, als desGcfchmaks, undgehört mehr in die Logik, als in dieAesthetik.

DieasthctischeVerglcichnng ist einkurzes, und gleichsam im Vorbey-gehen angeführtes Gleichni-ß, *) alswenn man faat: Sckonheil verblü-het wie sie Rose; oder etwas aus-führlicher, wie wenn Haller von derEwigkeit sagt:

Wie Rosen, die cm Mittag jungUnd welk sind vor der Oöniineeung:So sind vor die der ZlngehZeni undMagen.

Zur ästhetischen Vcrglcichung wirdalso ein Bild genommen, das nurgenennt, oder in dem, was den ei-gentlichen Punkt der Vergleichung(das sogenannte teifiuw compara-tionis) betrifft, kurz beschriebenwird, in der Absicht, daß aus demAnschauen desselben die Beschaffen-hcit des Gegenbildes richtiger, odersinnlicher, ober lebhafter erkanntoder empfunden werde.

Von dem Glcichniß unterscheidet siesich sowol durch die ihr eigene Kürze,als besonders dadurch, daß man beyder Vergleichuug Bild und Gegenbildunzertrennt neben einander stellt, undvon jenem nichts mehr sehen laßt, alswas man in diesem will sehen lassen:da hingegen in dcm Gleichmß die Be-schreibung des Bildes ausführlicher') S. Bild; Gieichniß.

Ver 64;

und über die Nolhdurft ausgedehntist, so daß man eine Zeitlang dasBild allein mit einigem Verweilenund von dem Gegenbild abgesondert,betrachtet, als wenn man schon dar-an allein Gefallen hatte.

Doch gicbt es auch Vergleichungen,die etwas langer gedehnt sind, undsich vom eigentlichen Glcichniß mehrdurch gewisse Enthaltsamkeit in derZeichnung des Bildes unterscheiden.Folgende Vergleichung scheint geradeauf der Granze, wo das Glcichnißanfangt, zustehen.Warum fragstdu,großmülhiger Sohn des Tydeus,nach meinem Geschlechte? Wie dieBlatter der Baume, so sind die Ge-schlechter der Menschen. Jtzt wehetder Wind alles Laub ab: dam. treibetim Frühling der grünende Baumwieber neues hervor: so ist die Fort-pflanzung der Menschen; ein Ge-schlecht wird itzt gcbohren, das an-dere vergeht."*) Es scheinet über-haupt, daß bey dem Glcichniß dieEinbildungskraft von dem Bilde leb-hafter, als bei) der Vergleichung ge-reizt werde, und daß bey der Ver-gleichung das Gegenbild, als daS ein-zige Norhwcndigc, die Vorstellungs-kraft mit dem Bilde zugleich beschäf-tige. Daraus würde dann folgen,daß zum Glcichniß mehr poetischeLaune, mehr angenehme Schwatz-hafrigkeit, wenn wir dieses Wort ingutem Sinne nehmen dürfen, als zurVergleichung crfodert werde. Beyder Vergleichung gehet man den ge-raden Weg zum Ziel fort, und zeigetohne stille zu stehen, oder einigeSchritte aus den: Wege herauszu-thun, einen in der Nahe liegendenGegenstand; deym Glcichniß aberstehet man bey diesem Gegenstandetwas still, oder man gehet, umihn naher zu betrachten, wol einigeSchrille von dem Wege ab. NurSchwatzer verweilen sich zu lange,Ss 2 und

') n. ?. vk. 14; ff.