Ver
V e r bzA
drey Mittel verbindet der Kunstler
die Thcilc seines Werks; jedes aberbegreift wieder mehrere, und oft garniannichfaltige Gattungen der Ver-bindung. So verbindet der Verstand 'Ursache und Würkung, indem er dieWürkung aus der Ursache, oder die-se ans jener erkennet; er stehet dieAchnlichkeit, oder Gleichartigkeitniedrerer Dinge, die mancherley Ar-ten der Abhanglichkeit und der Ver-hältnisse, und leitet daher ihre Ver-bindungen. Die Einbildungskraftaber hat noch mehr Arten der Ver-bindung; denn sie kommt aufunzähl-bar viel Wegen von einem Gegen-stand auf einen andern, daruntermehrere überaus zufällig, aber ihrerfluchtigen Natur immer angemessensind. Die geringste zufallige Klei-nigkeit jähret sie oft auf sehr entle-gene Vorgellungen. So haben auchdie Empstndungen des Herzens ih-ren eigenen Gang von einem Gefühlzum andern.
Wir fühlen hier die Gefahr, unsin sehr weitiauftlge psychologischeBemerkungen einzulassen, und wol-ilcn lieber die Segel einziehen, lieberunvollständig, als schwerfällig, undfür die meisten Künstler und Liebha-ber langweilig und unbrauchbar spre-chen. Darum kommen wir naherzum Zwek d-efts Artikels.
Es ist schlechterdings das Interessedes Kunstlers, daß die, für welcheer arbeitet, in seinem Werk keinenMangel der Verbindung bemerken.Zeder emzele Theil des Werks mußmit dem Ganzen so verbunden seyn,daß man den Grund erkenne, war-um er da ist; wenigstens, daß er nichtfremd, nicht völlig übcrfiüßig, undaußer dem Charakter des Ganzenliegend erscheine. Außerdem abermuß auch Verbindung der Ordnungüberall statt haben.
Zu bcyden geHort Beurtheilungund Ucbcrlcgung; weil es nicht ge-nug ist, daß der Künstler bep Zu-
fammensttznng, und im Feuer derArbeit beydc Arten der Verbindungfühle, sondern auch nachher, beyschon etwas kalterm Gcblüte, dieVerbindung würklich noch gewahrwerde. Es geschiehet gar oft, daßGedanken und Vorstellungen sich anseinander entwikeln, und in unsrcrgegenwärtigen Gemüthslage auf ein-ander folgen, deren Zusammenhangwir nachher gar nicht mehr einsehen.Dieses begegnet dem Philosophen i»ganz methodischen Untersuchungen;also muß es bei) dem Künstler, derim Feuer der Einbildungskrast, undin Wärme der Empfindung arbeitet,noch weit öfterer vorkommen. Kanner selbst aber in solchen Fällen denZusammenhang seiner Vorstellungennicht mehr entdcken, so muß dieftsnatürlicher Wcife andern noch weni-ger möglich seyn.
Es ist deswegen sehr nützlich, daßman bcym ersten Entwurf cinesWerks genau auf das Achtung gebe,was eine Vorstellung mit der andernverbindet, daß man auf Vorteiledenke, das Band, das sie verknüpft,auf eine Weise, die dem Feuer derWürksamkeit zu Fortsetzung der Ar-beit, nicht schadet, anzudeuten, umsich desselben nachher wieder zu erin-nern.^ Geschieht dieses, so kann derKunstler bey der Ausarbeitung da,wo vie Verbuidnng nicht merklich ist,allemal auf Mittel denken, sie merk-lich zu machen. Es giebt vielerlei)Mittel, auch sehr fremd und entferntscheinende Beziehungen der Gedankengegen einanoer in nahe Verbindungzu fetzen, so wie es auf der andernSeile eben so viel giebr, einen sehrnatürlichen Zusammenhang etwasfremder und reizender zu machen.Aber sie gehören unter die Geheimnisseder Künstler, die sie selbst nicht gernandern entdcken.
Wir müssen vor allen Dingen an-merken, daß die Verbindungen engerund genauer, oder entfernter, offen-barer