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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
636
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<lells prlncli'iill veäuti elllttuie, cllein ellii tl conrcnznno, tc>I. 2 Bd.Vsrie pircure ^ trctco cle' principslitclsessri Vene^iziii , . . cii ^nr. ,Visr.icsncrri, Vcn. 1760. t. » Ocllz llir-lurs Venciisni, e clclle npci-c i-ubl!--de äe' Venezisni d^zellri, l.ib. V.Ven. 1771. 8. kzccnl» cli cenrc>e <jc>ilici rsppres. Illor. läcrc,

tiipinre tis' pin celedri ?ircuri lleiizLcuola Vener-izna . . . 1772.^0!.-U. a. M.

Veränderungen; Va-riationen.

(Musik.)

N?an kann zu einer Folge von Har-monien, oder Accorden mehrere Me-lodien setzen, die alle nach den Re-geln des harmonischen Satzes richtigsind. Wenn also eine Melodie vonSangern, oder Spielern wiederholtwird, so können sie das zwcytemalvieles ganz anders» als das erste-mal singen oder spielen, ohne die Re-geln des Satzes zu verletzen: geübteTonsctzer aber ve>'fertigen bisweilenüber einerley Harmonie mehrere Mc-lodicn, die mehr oder weniger denCharakter der ersten bcybehaltcn: fürbeydc Falle braucht man das WortVariation , das wir durch Verände-rungen ausdrüken.

Die alrern Tonsctzer pflegten ins-gemein ihre Melodien in einfachen,oder etwas langen Noten zu setzen,und also nur das Wesentliche auszu-drükeiw Dieses gab denn, besondersin Stäken von langsamer Bewegung,geschiktcn Spielern und Saugern Ge-legenheit, diese einfachen Töne mitGefchniak lind Empfindung etwas zuverzieren. Weil aber viel Sangerund Spieler dieses nicht ohne Verle-tzung der Harmonie, oder des Aus-drucks zu tbun vermochten: so ge-wöhnten sich die Setzer nach und nachan, die schikllchstcn Verzierungen,

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schon als wesentlich zur Melodie ge-hörige Verschönerungen, selbst zu si-tzen. Nun werden diese Verzierun-gen von üppigen Sangern wieder mitneuen Verzierungen, die bey derWiederholung noch vielfaltia verän-dert werden, verbrämt. Dadurchentsieht denn der, zwar eine sehr fer-tige und bis zurVcrwundrung künst-liche Kehle anzeigende, aber aller wah-ren Kraft und alles Nachdruks gänz-lich beraubte Gesang, der itzt bcy-nahe überall gesucht wird.

So wie die meisten Melodien dersogenannten galanten Musik gegen-wärtig von Tonsetzern ausgearbei-tet und verziert geschrieben werden,sollten sie, wenigstens das erstemal,ohne weitere Zusätze gesungen odergespielt werden. Bey der Wieder-holung stünde dem geschiktcn Sängernoch immer frey, schiklrche Verände-rungen anzubringen. Es ist aberkaum nöthig, zu erinnern, daß die-ses nur solche Sänger und Spielerthuii können, die wahre Kenntniß derHarmonie und des melodischen Aus-druks haben. Da diese etwas sel-ten sind, so höret man inSgememin Opern Veränderungen, wodurchMelodie und Harmonie' nicht blosverdunkelt, sondern völlig verdorbenwerden. Es gicbt sogar Sänger,die gewisse Verum ungen, die sievon ihren Sangmcistern gelernt ha-ben, bey jeder Gelegenheit, selbst da,wo sie sich am wenigsten schikcn,wieder anbringen. Dieses ist cmMißbrauch, dem sich die Capellmci-ster aus vollen Kräften widersetzensollten, weil in der That der theatra-lische Gesang dadurch völlig verdor-ben wird. Die meisten Arien wer-den itzt so gesungen, daß sie den rei-chen gothischeu Gebäuden der mitt-lem Zeiten gleichen,' an denen dasAuge nichts glauer- sieht, sondernüberall durch geschnitzte Zierrachen,die alle Theile wie cm Spinngcwcbüberziehen, gleichsam gefangen wird.