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sagt im Sprüchwort: wer zu sielbeweist, Oer berveiscr gar nichts;«nd wo des Gewürzes zu kielgcnommcn wird, da wird die Speift da-durch widrig.
Es gicbt also zwcy Arten des Ue-berti iebencn: die eine macht den übcr-tritbeiienGegenstaiid schimärisch, oderunmöglich; die andere verändert seineArt, und benimmt ihm dieWürkung,die man ihm durch Übertreibung sei-ner Eigenschaften zu geben gesuchthat. Beyde Arten sind in Werkenbcs Geschmaks sorgfaltig zu vermci-den, weil sie von sehr übler War-tung sind.
Zu der erstem Art rechnen wir dieabenthcuerliche gigantische Größe derHelden in den Ritterromanen, da eineinziger bisweilen ganze Heere in dieFlucht schlagt: von der andern Artist unmäßiges Lob, oder Tadel, undandre imzeitige, die verlangte Wür-kung vielmehr hindernde, als beför-dernde Anhäufung des Guten undBösen, des Angenehmen oder Widri-gen. Wenn jemand geringer Sachenhalber mit hohem Lob, oder schweremTadel überhäuft wird: so verfehltdas Lob oder die Rüge den Zwek, undanstatt davon gerührt zu werden,wird man verdrießlich. Überhauptbestehet dieses Übertriebene darin,daß man zu Erreichung seines Zwcksmehr thut, als man thun sollte, undsein Geschütz überladet, daß es ent-weder zerspringt, oder sonst seineWartung verlieret. Mancher willuns vergnügt machen, und schweiftso aus, daß wir verdrießlich werden;oder er will unser Mitleiden erwekcn,und bewürkt nur Abscheu.
Das Übertriebene der erstem Artentstehet aus Mangel der Bcurthci-lung. Wer die Schranken, die inder Natur jeder Art der vorhandenenDinge vorgeschrieben sind, nicht znbemerken im Stand ist, wird von ei-ner lebhaften Phantasie leicht verlei-tet, ihnen Eigenschaften anzudichten/
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die das Maaß ihrer Kräfte überschrei-ten. Es ist also vornehmlich einFehler schwacher Köpfe von etwaswilder Einbildungskraft, daß sie al-les über dieMaaße vergrößern, oderverkleinern, weil sie die wahrenKräfte der Natur nicht kennen. Dochkann auch ein allgemeines Vorurtheilder Zeit scharfsinnige Köpfe zu diesemÜbertriebenen verleiten. Wenig-stens kann man den Corneille, derdie Charaktere seiner tragischen Hb-den sehr oft übertreibet, nicht desMangels an Einsicht und Scharfsinnbeschuldigen: aber der Gcfchmak sei.ncr Zeit war noch etwas romanhaftund abenthcuerlich.
Die andere Art des Übertriebenenscheint aus Mangel des feineren,oder des richtigen Gefühles zu ent-stehen. Es gibt Menschen von soschwachem Gefühl, daß ihnen keinGegenstand in seinen natürlichenSchranken groß oder schön genug ist;sie merken nicht, daß ei» Mensch be-trübt ist, wenn er nicht kindisch klagtund weint; oder daß er zornig ist,wenn er nicht raset und alles um sichherum zerstöret. Darum übertrei-ben sie auch alles, wenn sie andrein Empfindung setzen wollen. Einlautes Geschrcy machen, heißt beyihnen verständlich reden; heulen nen-nen sie weinen; gewaltsame Sprüngeund Gbehrdcn sind ihnen Tanz.Hingegen ist stille Größe, nach ihremstumpfen Gefühl, Mangel an Leben;ein tiefsitzcnder Schmerz Uncmpfind-lichkeit; ein sanftes, aber inniglichesVergnügen Gleichgültigkeit. In die-sem Fall artet das Übertriebene insGrobe und Pöbelhafte aus; denninsgemein fehlet dem Pöbel das fei-nere Gefühl, das Große, das mehrden inncrn, als den äußern Sinnenempfindbar ist, zu bemerke». Da-her kommt i» den Tragödien dasHeulen und Wehklagen, wodurch ei-nige rühren, das Abscheuliche inSchandthaten, wodurch sie Absehe:
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