öi8 U e b
setze, die Sache dem Ansehen nachblos historisch behandelt, aber miteiniger ^Lebhaftigkeit sich bey der Er-zählung verweilet, um den vortreff-lichen Charakter der Catharina zuschildern; wenn er erzahlt, daß die-ser Schritt den Beyfall des Hofesund der ganzen Nation erhalten habeu. d. gl.: so wird kein uneingcnom-mcner Leser sich leicht unterstehen,von der Sache anders zu urthcilen,und jeder wird stillschweigend ansdiesem Falle sich überhaupt bereden,daß der größte Monarch ohne Ver-letzung seiner Ehre, ohne Unanstän-digkeit, aus der niedrigsten Classeseiner Unterthanen sich eine Gemah-lin wählen könne.
Würde man aber im Gegentheildie Geschichte von der geheimen Ver-mahlung Ludwigs des XIV. mit derMaimenon so erzählen, daß man dieBestürzung des Hofes lebhaft schil-derte; daß man beschriebe, wie derMinister sich dem König zu Füßenwirft, und ihn in pathetischem Tonebeschwöret, seinen Zbron nicht zubcfleken u. d. gl. so würde bey demLeftr gerade die entgegengesetzte Wür.kung folgen. Er würde nun dafürhalten, daß ein gr ßer Herr nichtsschimpsiichers thun rönne, als eineso ungleiche Heyrath einzugehen. Soleicht ist es, das Urtheil der Menschenzu lenken, wenn sie noch nicht einge-nommen sind.
Es kommt also bey der Uebcrre-dnng nicht sowol auf die Richtigkeitder Beweise, als auf die Lebhaftig-keit, womit sie vorgetragen werden,an. Gegen Vorurtheile kommt nichtleicht ein blos wahrscheinlicher Be-weis auf; und wo diese Nicht sind,da läßt man sich auch durch schwacheBeweise, durch bloße Versicherungen,und sogar auch ohne diese, durch Er-schleichung bereden. Sehr wichtigist es dabey, daß der Redner dieKunst besitze, dem Zuhörer in seinemUnheil vorzugreifen, ohne daß er es
U e b
merke, und seinen Verstand durch dieEmpfindung zu lenken. Er mußschlechterdings wissen, jede Sache indem seinem Zwek günstigen Lichtevorzustellen, und das Herz dafür zuintereßiren. Es muß aber so natür-lich, so gar ohne Zwang geschehen,daß der Zuhörer den Gesichtspunkt,aus dem man ihn die Sache sehenlaßt, für den eigentlichsten halt, umdie Sache richtig zu beurtheilen.Denn muß Ton und Ausdruk genauauf diesen Gesichtspunkt paffen.Was in ein günstiges Licht gestelltworden, muß auch mit dem vorthcil-haftcsten Namen genennt, und miteinnehmendem Ausdenke beschriebenwerden; und was in ein widrigesLicht gesetzt worden, muß auch ineinem Ausdenke vorgetragen weiden,der ihm angemessen ist. Dieses hatvornehmlich Cicero verstanden, dessenAusdruk allemal einnehmend, scho«nend, vergrößernd oder verkleinernd,hart oder sanft ist, nachdem er für,oder gegen eine Sache einzunehmensucht.
Uebertrieben,
(Schöne Künile.)3??an übertreibet eine Sache, wennman ihr etwas zuschreibet ober zumu-thet, das die Schranken ihrer Artüberschreitet, und entweder unmög-lich, oder doch unnatürlich und derArt, wozu die Sache gehört, zuwi-der ist. Es wäre eine übertriebeneZumiithung, von einem Menschen soviel Arbeit zu verlangen, als nurmehrere zu leisten im Stande sind;darum wäre es auch übertrieben,wenn man von ihm sagte, er habeso viel Arbeit gcthan. Auch das istübertrieben, wenn man das, was ei-ner Sache zukommt, ihr in solchemUebermaaße dcylegt, daß dadurch dieArt derselben geändert, und dieWür-kimg, die m m zu vermehren gesuchthat, dadurch vermindert wird. Man
sagt