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4 (1794) [R - Z]
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620
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crwcken, und das Entsetzliche lindGewaltsame in den Unternehmungen,wodurch sie Furcht odcr Pewundrungerregen wollen.

ü. as Ucbercricbene kann aber auchans einem verzärtelten Geschmak undWeichlichkeit herkommen. Wie esMenschen von stumpfem Gefühl gicbt,deren Seele ein hartes Gehör hat,das nichts vernimmt, wenn mannicht übermüßig schreyt: so giebt esauch im Gcgcnrheil solche, die denBlvdsichtigcn gleichen, die vom hellenTageslichte geblendet werden undnicht eher, als in der Dämmerungdie Augen aufthun. Diese sind ge-wohnt, die Sachen inS Kleine zuübertreiben, und alles so zu verfeinern,daß es seine natürliche Kraft verlieret.Es geht ihnen, wie den Wollüstlin-gen, die keinen Geschmak an natür-lich wolschmekendcn Speisen mehrhaben. Sie wollen nicht vergnügt,sondern sinnlich cntzükt feyn; statteiner ruhigen Empsindung der Zärt-lichkeit, sehnen sie sich nach ganzli-cher Zerfiießung des Herzens. Des-wegen suchen sie alles so sehr zu vcr-feinern, daß sie nur noch die Quint-essenz der Dinge behalten. Daherkommt so viel übertriebener Witz, soviel übernatürliche Spitzfündigkeitder Empfindung, so viel wollüstigeKünstele») in Wendung und Ausdruk,so viel shbaritische Schonung, wodas Herz mit einigerDreistigkeit sollteangegriffen werden.

Am meisten zeiget sich diese über-triebene Verfeinerung in der gegen-wartigen Musik, besonders in denOpern, wo der einfache das Herz ein-nehmende Gesang gänzlich verdrangtist, und einem blos wollüstigen-tzeln des Gehöres hat weichen müssen.Es scheinet, daß mancher Sangervöllig vergessen habe, daß er die Ge-inüther dcr Zuhörer in Empfindungzu setzen habe, und daß er sein Ver-dienst oarin suche, wie eine Nachtigallzu gurgeln, oder seine Stimme so

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hoch zu treiben, als ein Canaricil-vogel.

Dieses ist die schlimmste Art desUcbertriebcnen, weil es dcnMenschn»allmählig des natürlichen Gefühlesberaubet, und ihn gewähnt, gleichsam ,von Lust zu leben, oder sich von Dun.sien zu nähren, die doch keine Nah-rung geben. Insgemein schleicht sichdieses Uebcrtricbenc allmählig ein,nachdem die schonen Künste den hoch- -sten Grad dcr Vollkommenheit cr> 1reicht haben. Denn die hernach kom-menden Künstler suchen alsdann ihreVorgänger, die sie auf dem geradennatürlichen Wege des Keschmakcsnicht mehr übertressen können, durchallmahligc Verfeinerung zu übertref-fen. Darum ist es eine seltsame Er-scheinung in Deutschland, daß sichdie übertriebene Verfeinerung bereitshier und da äußert, ehe wir die höch-ste Stufe der Vollkommenheit würk»lich erreicht haben. Aber wir sindnicht ohne Hoffnung, daß die Kritiksich dem einreißenden Ucbel. noch zurechter Zeit mit gutem Erfolg wider-setzen werde.

Man erlaubt dem comischen Dich-ter und dem Schauspieler, und ra-thet ihnen sogar, die Sachen erwaszu übertreiben. Der Schauspielermuß allerdings in Stimme und Gc-behrden etwas auf die Entfernung,in der er von dem Zuschauer steht,rechnen, wcil.diesc sein Spiel etwasschwächt. Deswegen thut er wol,wenn er durchaus etwas über die Na-tur herausgeht; und der Zuschauerwird ihn nicht übertrieben finden,wenn er nur nicht die Glänzen zuweit überschreitet. Der Dichterscheinet nur da aus den Schrankenheraustreten zu können, wo die Cha-raktere der Personen und die Hand-lung selbst etwas matt ist. So hebtdas etwas Ueberrriebene der Charak-tere in dem poistug das ganze Stük,das in den bloßen Schranken derNa-tur wenig reizen würde.

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