6i6
U e S
U e b
^ 5 5
? 5
-51-51
Weil jedes übermaßige Intervall alsein Leitton anzusehen ist, so folget,daß man nach demselben im Auf-steigen einen halben Ton über sichtreten müsse, und im Absteigen ei-nen halben Ton unter sich. ZumBcyspiel:
"
—
— 4i
^
-N
Der letzte Fall bey t hat nur im Re-citativ statt, und ist also so zu ver-stehen;
. s .
i- ^ u
Ueberredung.
(Beredsamkeit.)
Wir machen einen Unterschied zwi.schcn Ueberredung und Uebcrzeugung.Jene setzen wir in dem Beyfall, dermehr erschmeichelt, als erzwungenwird. Von oer Uebcrzeugung ist siedarin unterschieden, daß diese ausunumstößlichen und völlig unzweifel-haften Gründen nothwendig erfolget.Die Ueberredung würfet Veyfall und
Glauben, die Ueberzeugnng unum«siößliche Kenntuiß der Wahrheit.
Man kann, ohne sich in tiefe psy-chologischcBetrachtungcu einzulassen,aus der Erfahrung annehmen, daßdie Menschen sich von jeder Sache,gegen die sie kein Vorurtheil haben,sehr leicht überreden lassen. Wer inAbsicht auf die Wahrheit oder Falsch-heit einer Sache ganz ohne Vorur-theil ist, kann, wie eine im Gleich-gewicht stehende Wage, durch jedenscheinbaren Grund überredet werden.Hingegen ist auch der, der durch Vor-urthcile gegen «ine Sache eingenom-men ist, kaum zu überreden*), es scydenn, daß die Vorurrheilc ihm vor-her benommen werden.
Also kommt es bey der Ueberre-dung vornehmlich auf Wegraumungaller vorhandenen Vorurthcile gegendie Sache, der man die Menschenbereden will, au. Ist dieses Haupt-hinderuiß gehoben, so ist das übrigesehr leicht. Das erste, dessen sichein Rebner zu versichern hat, ist diegenaue Kenntmß der Meynungcn undVorurthcile seiner Zuhörer, über dieSache, deren er sie zu überredenhat: eher kann er weder Plan, nochAnordnung für seine Rede machen.Mansichtaber leichte, was für großeKenntniß des Menschen überhaupt,und was für genaue Bekanntschaftmit denen, die man zu überreden chat,hiezu crfodert werden. Wer nicht indie Gemüthcr seiner Zuhörer hinein-schauen, und mit seinen Büken sogarin die dunkeln? Winkel derselben zudringen vermag, kann nicht sicherse>?n, sie zu überreden. Die schcin-barestcn Gründe für eine Sache sindohne Kraft, so lange das Vorurtheilgegen sie ist.
Nur eine gründliche Psychologiekann dem Redner die Mittel au dieHand geben, wie er die Vorurtheil«
der
*) dtidil k»c!Ie p-i-suzZetur mviiii,Hmacil. Inlt. I.. IV. c.4.