T r a
Tra
??r
spicls ursprünglich Dithyramben,oder Lieder auf den Bacchus, abge-sungen haben. Wenn mau sich hic-bey erinnert, daß die Alten die Ge-schichten einiger Götter bey gewis-sen heiligen Festen durch allegorischeHandlungen unter feyerUchen Ge-sängen vorgestellt haben, wie inAegypten die Geschichte des Dsirisund der Ich;, in Syrien die Ge-schichte der Venus und des Aöonls,in Griechenland die Geschichte derLeres und j^roserpina, inglcichendes Bacchus, und noch dabey be-denkt, daß die Trauerspiele sowolals die andern dramatischen Spielezu den feyerlichcn Handlungen eini-ger heiligen Feste gehört haben: sowird es wahrscheinlich, daß dasDrama überhaupt in seinem Ur,sprung nichts anders gewesen, alsdie Vorstellung einer geheimen Ge-schichte aus der Gölterhistorie. Nachvielen Veränderungen hat sich her-nach, wie Aristoteles ausdrüklichberichtet, seine ursprünglichc.Naturverloren, und ist das geworden, wases zu seiner Zeit gewesen Undhieraus laßt sich leicht begreifen,woher die so große Verschiedenheit inden alten Nachrichten über den Ur-sprung des Trauerspiels entstanden.Es ist aber der Mühe nicht Werth,hierüber weitläufiger zu scyn. Viel-leicht laßt sich der anscheinende Wi-derspruch, der sich in den Nachrich-tcn der Alten findet, auch dadurchheben, daß man annimmt, die Tra-gödie sey in ihrem Ursprung blvs einGesang von traurigem Inhalt gewe-sen, dadurch eine Art Rhapsodistengroße Unglüksfällc fürs Geld besun-gen haben. Lucianns '*) führt einaltes Sprüchwort an, das dieses zubestätigen scheint, und aus welchemabzunehmen ist, daß einige trojanische
") l.«-. in den Fischen.
Flüchtlinge, bcrmuthlich an einemOrte, da sie sich nach Zerstörung ih-rer Stadt niedergelassen, einen Tra-gödicnsangcr gemicthet hatten, umsieh die Zeit zu vertreiben, und daßdieser, ohne zu wissen, wer sie sind,die Trauergeschichke von der Zerstö-rung Troja gesungen habe.
Aus den Trauerspielen der Grie-chen . die wir noch haben, läßt sichsehen, daß sie ihre letzte Form erst zuden Zeiten des Sophokles bekommenhaben. Denn die Trauerspiele desAcsebylus, der kurz vor dein So-phokles gelebt hat, sind gegen das,was seine Nachfolger auf die Bühnegebracht haben, noch rohe, blos ansdem groben gearbeitete Versuche,aber Versuche, an denen bereits dieHand eines großen Meisters zu se-hen ist.
Man hält dnrchgchcnds dafür, daßdas Trauerspiel, so wie Sophokleses bearbeitet bat, in der höchstenVollkommenheit, deren es fähig ist,erscheine. Die Neuem haben auch,so weit ihr Genie und der Geschmakes ihnen »erstattet haben, diese Form,doch mit Ausschließung der Chöre,bcybehalten. Ob durch diese Weglas-sung das Trauerspiel gewonnen oderverloren, wollen wir nicht untersu-chen , da man itzt dnrchgehends dar-in übereinkommt, daß im Trauerspielnicht mehr soll gesungen werden, dieChöre aber den Gesang nothwendigmachen. Darin bilden sich einigeNeuere ein, dem Trauerspiel Vortheileverschafft zu sehen, daß der Raumzwischen den Aufzügen, der chcmalsdurch die Gcsängc des Chors ausge-füllt worden, itzt besser dazu ange-wendet wird, daß die Handlung hin-ter der Bühne inzwischen fortrüket,welches bey den Alten nicht gesche-hen. Daß aber dieses eine Verbesse-rung sey, wird nicht jedermann ein-gestehen. Vielen kommt es als einelendes Hülfsmittcl vor, die Mängelm der Anordnung der Fabel zu bebe«
kcn.