Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
569
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T r a

sie in ihren Reden nicht so ausführ-lich, als geringere Menschen, am al-lerwenigsten sind sie in ihrem Ansdrukübertrieben. Das Große ist ihnengroß, nicht ungeheuer; in bedenkst-chen Fallen drüken sie sich ernsthaft,aber nichl zitternd aus; das Schoneist ihnen nicht gleich vortrefflich, unddas Widrige nicht gleich zerstörend.Alles dieses gehört zu dem edlen tra-gischen Ansdruk.

In Absicht auf die Leidenschaftenhat der tragische Dichter den Einflußjeder derselben auf die Sprache aufdas sorgfältigste zu studiren. Da vonder Sprache der Leidenschaften in ei-nem bcsondern Artikel gehandelt wor-den, so können wir uns hier daraufbeziehen.

Endlich ist auch das MechanischedesAusdruks zu bedenken. Es sehet-net doch, daß die gebundene Schreib-art dem Trauerspiel einen schiklichernTon gebe, als die ungebundene; wic-wol wir diese eben nicht schlechter-dings verwerfen wollen. Nur ist die-ses gewiß, daß ein guter lcichtfiicßcn-dcrÄcrs ungemein viclzurKraft desInhalts bcyträgt. Jeder gereimteVers, besonders aber der alexandri-uische, scheinet etwas zu kleines fürdie Hoheit des Trauerspiels zu haben.Die Alten haben nicht immer einer-lei) Versart gebraucht, und beson-ders iLuripioes hat damit öfters ab-gewechselt. Die Abwechslung desSchnellen und Langsamen scheint in-sonderheit im Trauerspiel ganz noth-wendig zu seyn.

Von den Sittensprüchen, als demvierten Hauptpunkt, sagen wir hiernichts, weil dieses an einem bcson-dern Orte ausgeführt worden *).Auch von den Veranstaltungen, alsdem fünften, ist an seinem Orte ge-handelt worden *'). Das sechsteErük aber, nämlich die Musik, hat

*) S. Oeukspruch.

") S. Sccne; Verzierung der Schau-bühne.

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bey unstrm Trauerspiel gar nichtstatt, weil unsreTragödien nickt vonMusik begleitet werden. Die griechi-sche Tragödie aber wurde, so wie un-sre Oper, durchaus in Musik gesetzt.Dieses erhellet deutlich aus einerFrage, die Aristoteles in seinen Auf-gaben aufwirft *). Was aber dieDeclamation betrifft, davon ist aneinem andern Orre gesprochen wor-den **).

Fassen wir nun alles, was zumvolltommcnen Trauerspiel gehört,kurz zusammen, so zeiget sich, daßfolgende wesentliche Dinge dazu ge-hören. Die Handlung muß ganzund vollständig seyn, von ernsthaf-tem Inhalte; cm einziges wichtigesInteresse muß darin statt haben,und sie muß eine eingeschränkte Größehaben: alle» muß darin zusammenhangen; es muß nichts geschehen,das den Ha'.pteindruknicht vermehrt,nichts, davon man den Grund nichteinsieht. Alles muß wolgeschlossen,ohne Mangel und ohne Ucbcrflußseyn. Der Dichter muß uns dieHauptperson keinen Augcnblik ent-ziehen; es muß nichts geschehen,das die Handlung unvollkommenmacht. Die Vcrwiklungen müssennicht zu künstlich und die Auflösun-gen nicht widernatürlich, nicht ge-waltsam seyn. Die Sitten der Per-sonen müssen groß und edel, und inden Charakteren eine hinlänglicheMannichfaltigkeit seyn. Die Leiden-schaften müssen stark, aber nicht über-trieben und den großen Sitten an-ständig seyn.

Die Reden müssen überhaupt denSitten und den Leidenschaften an-gemessen seyn. Es muß nichts ge-sagt werden, was nicht zur Cachegehört, am wenigsten etwas, dasden Cinvrnk schwächt; sein Fehler,darein Shakespear oft verfallt;)Nn ; Ton

-Vrill. Problem. XXVII.

*') S. Vortrag.