§68 Tra
ander gestellt oder contrastirt seynmüssen. Die Verschiedenheit in denSitte» bringt Lebhaftigkeit in dieHandlung, indem sie Schwierigkeiten!ind Bestrebungen hervorbringt, undindem Gegeneinanderstellung die Cha-raktere deutlicher bezeichnet.
Wir kommen nun auf die Betrach-tung der tragischen Schreibart, dieohne Zweifel eines der vornehmstenStüke des Trauerspiels ist. Denndurch die Fehler derselben kann einsonst gutes Stük verdorben, unddurch ihre Vollkommenheit ein schlech-tes Stük erträglich werden. Vonder Wichtigkeit der Schreibart oderdes Ausdruks überhaupt, ist an einemandern Orte gehandelt worden ^).Hier ist sehr leicht einzusehen, daßder Dichter eine seiner vornehmstenAngelegenheiten aus der wahrentragischen Schreibart inachen müsse.Er muß auf zwei) Dinge die genaue-ste Aufmerksamkeit haben: auf denCharakter der Person, die er redenlaßt; und auf den Gemüthszusiand,darin sie ist.
Der Charakter bestimmt einengroßen Thcil dessen, was zum Aus-druk geHort. Ein kaller ruhigerMensch, der dabcy standhaft undunbeweglich ist, spricht in einemganz andern Ton, und in andernAusbrüten, als ein hitziger und un-beständiger Mensch: der zaghafte,schwache Mensch ganz anders, alsder kühne und entschlossene. Nichtsist schwerer, als den Ton, dcrjcdcmCharakter eigen ist, zu treffen; undhierin wird der Dichter seine Starkeoder Schwache am deutlichsten anden Tag legen.
Eine gesetzte, nachdrukliche undkurze Art zu reden schikt sich für ernst-hafte, offene und redliche Charaktere;eine lebhafte, hinreissende oder etwasgewaltsame, etwas mehr wortreiche,für hitzige Temperamente. Durch be-sondere Regel» laßt sich das Eilt»E. Schreibart.
T r a
liche der Schreibart nicht wol bestim.mcn. Die beste Gelegenheit, dieseMaterie zu studiren, gicbt -Homer.Denn bey ihm, vornehmlich in derIlias, findet man die größte Man-nichfaltigkeit der Charaktere, und zu-gleich die vollkommensten Muster derUebereinsiimmung des Sittlichen imAllsdruk mit dem Charakter. Wirmüssen bey allgemeinen Bemerkungenstehen bleiben.
Da im Trauerspiel ein ernsthaftesInteresse alle Personen beschäftiget,und da allezeit eine gewisse Große inihren Sitten seyn muß, so muß auchüberhaupt die Schreibart diesen bey.den Dingen angemessen seyn. Ueber-haupt muß mehr Verstand, alsEinbildungskraft darin herrschen.Witz und Lieblichkeit in den Bildern»nd Gleichnisse schikcn sich nicht zumtragischen Ausdruk; denn es mußschlechterdings nichts gesuchtes,nichts, was de» Dichter sehen laßt,darin seyn. Die handelnden Perso-nen sind allzusehr mit dem Interesseder Handlung beschäftiget, als daßsie den Ausdruk suchen sollten.
Bey dieser weisen Einfalt muß derAusdruk edel seyn, weil die Sittenso sind; edel, aber nicht hochtrabend.Niemand sucht in seinen Reden weni-ger vornehm zn thun, als würklichvornehme und großdenkende Men-schen. Sie verachten de» äußerlichenSchimmer überall, und also auch inihren Reden. Sie sind sowol mitVcywörtern, als mit Bildern spar-samer, als andre Menschen, weil injeder Sache dasWesentlichc ihnen hin-längliches Licht gicdt, und weil sie dengeraden Ausdruk mehr, als gemeineMenschen in ihrer Gewalt haben.Sie haben nicht notbig, einen Gedan-ken» aus Furcht sich nicht bestimmtgenug anszudrüken, durch mehrereRedensarten zu wiederholen, weil sieihn gleich das erstemal bestimmt ans-zudrükeu wissen. Key Kleinigkeitenhakten sie sich nicht auf, folglich sind