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ten; wo man Menschen findet, diegroßer Dinge fähig sind; wo manFälle erlebt hat, die von erstaunli-chen Folgen gewesen: in einer sol-chen Welt gehören Sitten von derGroße, wie wir sie beschrieben ha-ben, auf die tragische Bühne, umbei) dem Zuschauer ernsthaftes Nach-denken und starke Empfindungen zucrweken. Die Menschen, welche ingroßen polirischen Gesellschaften le-ben, sind überhaupt von einer Hb-,Hern Gattung, als jene im Standeder Natur lebenden; sie nehmen inallem, wo sie ihre Thätigkeit zeigen,einen höhcrn Schwung: das, wasunter der Größe ihrer Gattung ist,reizt ihre Aufmerksamkeit nicht. Manmuß ihnen also Sitten, die nach ih-rer Art groß sind, vorstellen.
Frcylich muß der Dichter, der fürein besonderes Volk arbeitet, dieGröße der Sitten nach der Dcn-kuugsart seines Volks abzumessenwissen. Wer in der Tragödie Na-tioualgegenstande bearbeitete, dermüßte dieses nothwendig beobachten.Es wäre ungereimt, einem Staats-mann einer kleinen Republik Gesin-nungen eines großen Monarchen,oder die Größe der Absichten einesrömischen Consuls zn geben. Aberdie schönen Künste sind in Absicht ih-rer Anwendung nicht in der Verfas-sung. daß sie aufNationalbedürfnisseangewendet würden. Daher auchdie genaue Abmessung der Größe inden Sitten nicht beobachtet wird.
Bey der Größe der Sitten hat derDichter sich wol in Acht zu nehmen,daß er> nicht ins Ueberlriebcne odergar ins Abentheuerliche falle; eineftilschc Größe, die ins Kleine und so-gar insAbgeschmakte ausartet. DieGrunzen, an denen das Große auf-hört und ins Uebcrtriebene fallt, las-sen sich fühlen, aber nicht abzeichnen.Hier helfen keine Regeln; ein gesun-der Verstand und eine scharfe Beur-theiluugskrafc des Dichters, können
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allein ihn vor' diesem Fehler bewah-ren. Wenn er nicht merkt, wo dieKühnheit an die Tollheit, der Zornan die Raserei), Zuvcrsichtlichkttt anGroßsprecherei), Verstand an Spitz-fündigkeit, Großmlith an Schwach-heit gl änzt, so kann ihn niemand vorAusschweifungen bewahren. DasTrauerspiel crfodcrt einen Mann, derselbst groß in seinen Sitten ist. Fürjunge, in der Welt uncrfahrne, inihrer Lebensart eingeschränkte, mitbloßer Schulkenntniß versehene Leute,für solche, die mehr Einbildungskraftals Verstand haben, die von Kleinig-keiten großes Aufheben machen, sschiktsich der Eothurn nicht, und wenn sieauch alle Regeln der Kritik vollkom-men inlic hätten. Dazu gehörenMänner, die groß denken, groß füh«ken, und selbst groß zu handeln imStande sind.
Nach der Größe in den Sittenkommt ihre -Wahrheit in Betrach-tung, nicht eben die historische, son-dern die poetische. Was jede Personredt und thnt, muß in ihrem Cha-rakter und in den Umständen gegrün-det seyn; man muß die Möglichkeit,daß sie so denken, so empfinden undso handeln, einsehen können, sonstfallt die Täuschung und die Thcil-nchmuiig, die zum Drama so nö«thig sind, ganz weg. Man muß hie-be») , wie Aristoteles angemerkt hat,auf zwei)Dinge sehen, die zurWahr«hcit der Sitten gehören : auf dasNothwendige und auf das Schik-liche. Das Nothwendige in den Sit-ten ist wie alles andre Nothwen-dige in den Künsten, davon der be-sondere Artikel darüber nachzusehen,so wie auch über das Schikiiche be-sonders gehandelt worden *).
Noch eine Hauptanmerkung überdie Sitten ist, daß dieselben marmich«faltig und mit guter Wahl gegen cin-N n 4 ander
S. Nothwendig! Schiklich.