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4 (1794) [R - Z]
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gendem Verstand, in starkem mann-lichenMuth, in kühnen Entschließun-gen, in Absichten und Begierden, dieetwas Großes zum Grunde haben, ingefährlichen oder auf wichtige Din-ge abzielenden Leidenschaften. In?Trauerspiel müssen wenigstens sieHauptpersonen Menschen seyn, be-reu Kräfte, von welcher Art sie seyen,große Veränderungen in Absicht aufGlük unb Unglük hervorzubringen in?Stande sind.

Es scheinet, als wenn einigcmcncretragische Dichter das Große in derHcftigkftt der Leidenschaften setzten,die es allein nicht ausmacht. Auchein Kind, ein schlechter Mensch, eineschwache Frauensperson kann in hef-tige Leidenschaften gereichen.- Aber eskönnen vaiiÄL live viribus irso seyn.Ein Kind, das sich über eine Klei-nigkeit erbost, ein nichtsbedcntenderMensch, der mit der größten Heftig-keit eine Kleinigkeit zu erhalten sucht,eine schwache Frauensperson, diesonst in der Welt keine wichtigeRollespielt, aber vor Liebe rasend worden,sind keine tragische Gegenstände. Esist nicht diese Größe, die wir in denSitten verlangen.

Man muß uns Menschen zeigen,deren Dcnkungsart, deren Absichten,deren Triebfedern .der Handlungenuns wichtig scheinen, und die imStande sind, Dinge zu bewürken,die auch in männlichen GemächernFurcht oder Bewundnmg crwelen.Es ist also ganz natürlich, wiewoldicht schlechterdings nolhwcndig, daßman zum Trauerspiel Personen vomhöchsten Range nimmt. Denn diesehaben natürlicher Weise größere Ab-sichten, als geringe Menschen; ihnensind gemeiniglich keine Kleinigkeitenmehr wichtig; die größcrn Geschässie,deren sie gewohnt sind, geben ihnenauch eine größere Dcnkungsart; ih-re Tugenden lind Laster, ihre Fehlerund ihre Klugheit sind von wichtigen!Fslgcn. Da es aber auch unter

den Großen kleine Seelen giebt, undauch an Höfen der Monarchen bis-weilen Kieinigkeiten durch sehr vcr-wikelte Jntrigucn betrieben werden,so hat das Trauerspiel noch deswc.gen keine Größe, wenn hohe Perso-nen darin aufgeführt werden; dennauch diese können in ihren Sittenohne alle Größe siyn.

Die Menschen also, die man unsim Trauerspiel zeiget, müssen Men-sehen von einer beträchtlichen morali-schen Größe seyn. In ihren Redenund Urthciicn muß sich ein großerVerstand, Kenntnis; und Erfahrungder Welt zeigen; in ihren Absich.tcn muß nichts kleines seyn, sondernsie müssen ans Dinge gehen, die keinMensch von Verstand verachten kann:ihr Gcmüth muß eine männlicheStärke haben, ihre Leidenschaftenmüssen wichtige Folgen versprechen.Dieses sind die zur Größe der Sittengehörige Punkre, die wir den Dich-tern zu ernsthafter und anhaltenderUebcrlegung anhcim stellen.

Vielleicht fällt hier Jemanden derZweifel ein, warum eine solche Größeder Sitten im Trauerspiele eben nö-thig ist; warum man nicht könnteernsthafte Handlungen, wie sie et-wa unter.einem einfältigen, sanst-müchigcn Volke geschehen, das kei-ne große Angelegenheiten kennt, sowie uns etwa die Dichter die Men-schen des goldenen Zeitalters, odereiner Schäferwelt vorstellen, ans dietragische Bühne bringen. Hieraufkönnen wir anmerken, daß derglei-chen Sitten in Trauerspielen, die ineiner Schaferwelt aufzuführen, wa-ren, sich allerdings recht gut schi-ke» würden. Aber in großen poli-tischen Gesellschaften, Ivo der Cha-rakter und die Handlungen einesMeuschcn das Schiksal vieler Tau-senden bestimmen können; wo manschon gewohnt ist, große Dinge zuscheu, große Dinge zu begehren, sehrverwikeltc Gegenstände zu betrach-ten;