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len der Handlungen der Personen ge-Hort. Wenn der Philosoph, wie esscheint, die Fabel würklich für daswichtigste Stük des Trauerspiels ge-halten hat, so können wir nicht seinerMeynung seyn, weil es uns außerZweifel scheint, daß die Sitten einwichtigerer Theil seyen. Eine derdornehnisten und wichtigsten Fabeln,die jemals auf die tragische Bühnegekommen, ist die vom VeSipus inTheben. Eine wülhcndc Pest drohtder ganzen Stadt den Untergang; diePriester geben vor, sie werde nichteher nachlassen, bis der Mörder desvorigen Königs entdckt und bestraftsei). Oedipus, der wegen feiner vor-trefflichen Regierung angebetet wird,setzt sich vor, alles mögliche zu thun,um den Mörder zu entdecken und zustrafen. Es ergicbt sich aus der Un-tersuchung. daß er selbst, ohne es ge-wußt zu haben, dieser Mörder ist;daß der ermordete Konig sein Vatergewesen; daß die Konigin, die er ge-hcirathet hatte, feine leibliche Mutterist; daß seinen Aeltern vorhergesagtworden, ihr Sohn würde seinen Va-ter umbringen, und seine Mutter zurGemahlin nehmen; daß zur Vereite-lung dieser Prophczeyung der Vatergleich nach seiner Geburt ihn in eineWildniß den Thicren auszusetzen be-fohlen habe; daß alles dessb» unge»achtet er am Leben geblieben, unddurch die seltsamste Fatalität alleswürklich begangen babe, was vorhergesagt worden. Nach dieser Entdc-kung sticht er sich selbst die Augenaus, verlaßt den Thron und dieStadt, und besänftiget dadurch denZorn der Gotter. Dies ist die Fabel.Wunderbar, höchst seltsam und sehrtragisch. Man kann daraus sehen,daß der Mensch seinem Schiksalnicht entgehen kann; daß auch de»rechtschaffensten Menschen schrcklicheUnglücksfalle betreffen können. Aberalles dieses scheint doch weniger wich-tig zu seyn, als die Empfindung und
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die Aeußerung der Leidenschaften unddes Betragens der intereßirten Perso-nen bcy solchen Umständen. W>r wol-len den Oedipus, die Königin, seineFreunde, das Volk hiebet) näher ken-nen lernen, ihre Gedaiiken, ihre Lei-denschaften, ihr Betragen nach denkleinsten Umständen wissen; und die-ses scheinet uns bcy dieser Sache dasWichtigste zu seyn. Wenn man unserzählt, daß ein Schiff durch Sturmso lange in der See gehalten worden,bis alleLcbcnsmittel verzehrt gewesen;daß der Hunger so sehr überhand ge-nommen, daß das Volk einen Men-schen geschlachtet, und sich von des-sen Fleisch genährt habe, und daß indem Angenblik, da der zweyte solltegeschlachtet werden, ein Schiff inder Ferne entdckt worden, das denUnglücklichen Rettung gebracht: soerstaunt man zwar über einen solchenFall; aber die nähern Umstände znwissen, das Jammern der Leute zuhören, ihren Berathschlagungen bey-zuwohlicn, die Empfindungen, Lei-denschaften und das Betragen einesjeden zusehen, scheint doch das Wich-tigste bey der Sache zu seyn.
Das erste, was der Dichter in An-sehung der Sitten zu beobachten hat,ist, ihnen eine gewisse Größe zuge-ben. Die Menschen, die er handelnläßt, müssen Menschen von der erstenoder obersten Gattung seyn. Nichteben in Ansehung ihres Ranges undStandes, die ihnen nur eine äußer-liche Größe geben, die zwar auch et-was zur Würkung beytragt, aberden Sachen noch nicht den wmhrenNachdruck giebt; sondern Menschen,deren Gemüthskräfte das gewöhn-liche Maaß überschreiten. Es giebtunter Menschen vom höchsten Rangkleine schwache Seelen, nnd unterdem gemeinesten Hansen Männer vongroßem und starkem Gemüthc. DieGröße in den Sitten ist die Größeder Seele, sowol im Guten, als imBösen. Sic zeiget sich in durchdrin-
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