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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
563
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es geworden, und dieses ist derwahre Anfang der Handlung. DerDichter, der seine Kunst versteht,eröffnet die Handlung gleich damit,daß er uns Personen sehen laßt, dieeine große Angelegenheit beschaffriget.Dies fängt an, unsre Aufmerksam-keit zu i-eizen; dann unterrichtet er unsbald, welche Angelegenheit dieses ist,und woher sie kommt, damit wir de-sto richtiger bcurtheilen können, wasgeschieht. Der Unterricht von derVeranlassung und den Ursachen derHandlung, den wir durch die han-delnde» Personen bekommen, wirddie Anräudigunz genennt, wobei)verschiedenes zu bedenken ist, das wirindem bcsondernArtikel darüber na-her bestimmt haben. So sehen wirin dem Äedipus in Theben des So-phokles , daß das ganze Volk mitgroßer Feycrlichkcit und Trauer sichvor dem Pallast seines Königs ver-sammelt. Dies ist der Ansang desTrauerspiels, aber nicht der Hand-lung. Wir erfahren aber bald ausdem Antrag des Priesters an den Ks-uig, daß eine schrcklichc Pest seit ei-niger Zeit in Theben herrscht, daßdieses verderblicheUcbcl eine Strafeder Götter sey, wegen des ungero-chen gebliebnen Mordes des vorigenKönigs, und daß das Volk kommt,wo möglich, die Entdekung des Mör-ders und seine Bestrafung zu bewur-ken: dieses ist der Anfang der Hand-lung.

Die Handlung muß ihr Ende ha-ben; das ist so viel, es muß etwasgeschehen, was auf einmal die ThcUtigkeit aller handelnden Personenhemmt oder übcrstüßig macht; etwas,woraus klar erhellet, warum itzt diePersonen, die wir so beschaffrigetge-sehen, anfhören z» Handel». Diesesgeschieht entweder, wenn sie ihrenEndzwek erreicht haben, oder in dieUnmöglichkeit gesetzt worden, ihreWurksamkeit in Absicht auf das In-teresse der Handlnng fortzusetzen.

Dieses ist nothwendig, weil sonstder Zuschauer in Ungewißheit überden Ansgang der Sache bleibt, wel-che ihm Nachdenken verursachet, undseine Aufmerksamkeit von den Haupt«gegenständen abzieht; weil er sonsteinen großen Theil des Nutzens, de»das Schauspiel ihm geben soll, ver-mißt, da er nicht steht, was für ei-nen Ausgang die Unternehmungen derhandelnden Personen gehabt haben.Wenn man das Verhalten der Men->scheu bey Unternehmungen beurthei«len soll, so muß man der Sachs biszum Ende nachgehen. Dieser Theildes Trauerspiels, in welchem dieHandlung ihr Ende erreicht, heißt derAusgang; und wir haben das, wasdabey zu merken ist, in einem beson-der» Artikel vorgetragen.

Endlich gehört auch zur Vollstän-digkeit der Handlung, daß man denganzen Verlauf der Sachen erfahre,und über keinen Umstand in Ungewiß-heit bleibe, woher er gekommen, oderwas er in der Sache verändert habe;daß man den völligen Zusammenhangder Sachen erkenne» und daß keineWürkung vorkomme, deren Ursacheverborgen geblieben. Denn sonstwürde unser Urthcil über die Sachenungewiß, und wir würden in zer-streuende Zweifel gerochen.

Und hieraus läßt sich sehen, daßder Philosoph, dessen Regeln wirhier erläutern, sie nicht ohne wich-tige Gründe vorgeschrieben habe.Eben so verhält sichs auch mit dem,was er von der Größe sagt, die ernicht ans,»ißt, fondern blos durcheinen Fingerzeig angicbt, indem ersagt, die Handlnng müsse eine an-ständige Große haben. In der Thatwird ein verstandiger Dichter hier-über nicht lange in Ungewißheitseyn. Eine Handlung, die in we-nig Minuten ihr Ende erreicht, schiktsich zu keinem Schauspiel, weil inso kurzer Zeit die Charaktere und Lei-denschaften der handelnden Personen

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