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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
560
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Dieses ist die Absicht der lLpopoc';aber das Schauspiel bringt sie unswürklich vor Augen, und hat deswe-gen die größte Kraft.

Was denniach wichtige Unglüks-fälle lehrreiches an sich haben, sowvldurch sich selbst, als durch das ver-schiedene Betragen der Menschen,das kann dieses Trauerspiel unsauf die vollkommenste Art verschaffen.Die Ungewißheit und Unftiverläßig-keit aller menschlichen Veranstaltun-gen: der Heldenmuts, womit einigeMenschen das Ungluk ertragen; dieSchwachheit, die andre dabei) anftsern; was Vernunft, Tugend undReligion auf der einen Seite, wasLeidenschaften und bloße Sinnlichkeitauf der andern Seite, bey ernsthaf-ten Vorfällen in dem Betragen desMenschen würken; was ein Menschbor dem andern, ein Stand vor demandern, eine Lebensart vor der an-dern zuvor oder zurück hat, wird unstu diesem Trauerspiel nicht gelehrt,sondern unauslöschlich in die Empfin-dung eingegraben.

Aristoteles hat gesagt, daß dasTrauerspiel durch Erwcknng desMitleidens und Schreckens das Ee-müth von diesen Leidenschaften reini-ge; und seine Ausleger haben sich aufalle mögliche Seiten gewendet, umdieser Anmerkung einen begreiflichenGinn zugeben. Die Art des Trauer-spiels, wovon jetzt die Rede ist, machtuns mit Unglüksfallen bekannt undvertraut, crwekt Mitleiden undSchreken; aber eben dadurch, daßes uns Erfahrung in solchen Sachengicdt, macht es uns stark sie zu er-tragen. Wer viel in Gefahr gewe-sen, der wird standhaft; und werdurch viel Fatalitäten gegangen ist,ist im Unglück weniger kleinmüthigals andere.

Sollen aber diese Vortheile durchdas Taucrspie! würtiich erhaltenwerden, so muß der Dichter die Lei-denschaften mit Verstand behandeln,

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so wie die Griechen es unstreitig ge-than haben, deren Personen über-haupt gesetzter und männlicher sind,als man sie auf der Heuligen, beson-ders der deutschen Schaubühne sieht.Wer mir weichlichen, zaghaften,durch Unglükefalle außer sich gesetz-ten Menschen lebr, der verliert alleStarke der Seele; und diese Wür,knng könnte auch das Trauerspiel ha-ben, dessen Personen zaghaft, wei.nerlich und jammernd sind. Mankann den Schmerz, die Furcht, dieBangigkeit, das Schrecken, als einMann und auch alsein Kind fühlen.Ans die erste Art »mß der tragischeDichter seine Personen fühlen lassen.Diejenigen irren sehr, welche in demTrauerspiel den Zuschauer bucch über-triebene Empfindlichkeit, durch Heu-len und Klagen zu rühren suchen, dadie Großiiiuih und Gelassenheit beydem Unglück edler ist, als die großeEmpfindlichkeit. Durch Heulen undKlagen wird nur der Pöbel gerührt,und Plutarchus merkt sehr wöl an,daß diejenigen, weiche die Cornelia,die Murter der Graccchcn, für wahn-witzig gehalten, weil sie den Mordihrer Söhne mit Standhastigkeit er-tragen, selbst wahnwitzig und für ,das Große der Tugend unempfindlichgewesen. Wenn der Trauerspiel-dichter nicht blos das Volk ergötzen,sondern ihm nützlich seyn will, sosehe er anfgroßeTugendcn, und lasseseine Helden im Unglük edel und stand-haft, nicht aber zaghaft seyn.

Es kann sehr nützlich seyn, wennder Dichter untersucht, woher esdoch kommr, daß die Neuer« so gerneUnglüksfälle der Verliebten auf dietragische Bühne bringen, wovon mankann, wenige Spuren bey den Alienfindet. Ohne Zweifel waren sie denAlten nicht wichtig, nicht ernsthaft,nicht mannlich genug; ohne Zweifel»irtheilten sie von diesem Tragischen,daß es das Geinürh zu weichlich ma-che : und daher laßt sich abnehmen,

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