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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
559
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Tra

und nach an dieselben gewöhnt, Mbden billige» Abscheu dafür schwäche,ihn nicht treffe. Er muß sich hüten,Mitleiden für böse Mensche» zu er.welen; das Laster muß er mir Ab-scheu, heftige Leidenschaften aber mitFurcht und Schrecken zu begleiten su-chen. Dieser Philosoph halt über-haupt die heftigen Leidenschaften fürunanständig, und es scheinet, alswenn er auch blos deswegen dasTrauerspiel verwerfe, weil man denMenschen nicht zu heftigen Leiden-schaften reizen soll.

Etwas gründliches ist ohne Zwei-fel in seinerBedcnklichkeit. Es giebtLeidenschaften, die, wenn man sieoft und stark fühlt, das Gemürh er-niedrigen, und die Nerven des Gei-stes schwachen. Von dieser Art sinddie Zärtlichkeit und die Traurigkeit.Sie haben aber in den zwcy erstenGallungen selten statt; wir werdengleich davon sprechen. Allein Abscheuvor großen Lastern, Furcht undSchreken, als Folgen von übertrie-bener Leidenschaft, können nicht zuweit getrieben werden. Man mußnur das Weichliche, Weibische odergar Kindische vermeiden.

Nur vor einer Art des Uebertric-bencn muß der Dichter gewarnetwerden. Die alten Dichter scheinenin Behandlung der Charaktere undLeidenschaften sich naher an der Na-tur gehalten zu haben, als die mei-sicn Neuer!» Diese übertreiben dieSachen gar zu oft. Mancher Dich-ter scheint nur den Menschen für grau,sam zu halten, der alles um sich her-um ermordet; nur den für zaghaft,der die Lust mitHeulcn undIammernerfüllt; nur den für standhaft, derwie jene abentheuerliche Ritter in tau-send Gefahren sich mit der größtenUnbesonnenheit stürzet, und ganzeHeere erlegen will. In diesen Feh-ler ist der große Corneille gar oftgefallen. Man sieht leicht, daß einesolche Behandlung der Leidenschaften

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und der Charaktere nicht nur vonkeinem Nutzen, sondern gar schädlichscy. Eine prahlerische Größe cnvcftkeine Bewundrung mehr, und allesUebertricbene in den Leidenschaften,die man nus vorbildet, wird kaltund ohne Kraft.

Liebe, Bewundrung, Haß und Ab-scheu sind die Leidenschaften, welchedie zwey erstercn Arten des Trauer-spiels in dem Zuschauer crwekcn sol-len. Sie muffen aber nicht erzwun-gen, nicht durch übernatürliche Ge-genstände mit Gewalt, nicht durchUeberiistung, wie bey Kindern, son-dern auf eine natürliche Weise, aufeine Art, die auf nachdenkende männ-liche Gcmülher würkt, nach und nacherzeuget werden. Man muß unsdas Innere der Charaktere und Lei«dcnschasteil, nicht nur das Aeußcrederselben sehen lassen.

Die dritte Art» oder das Trauer-spiel der Begebenheiten, kann aufeine ihm eigene Art nützlich werden.Der vcrchrungswürdige MarensAucelius sagt in seinen moralischenGedanken, das Trauerspiel sey zuersterfunden worden, um die Menschenzu erinnern, daß.die Zufälle dcö Le-bens unvermeidlich seyen, und sie zulehren, dieselben mir Geduld zu er-tragen.") Dieses ist ein Nutzen, denman aus dem Trauerspiel ziehenkann. Man erhält ihn dadurch ge-wisser, als durch ine Geschichte, dieuns alles von weitem zeiget, da dasSchauspiel, weil wir die Sachen voruns sehen, ungleich stärker auf unswürket. Unglüksfälle, die zu unfernZeiten in entlegenen Landern gesche-hen, rühren uns wenig, noch we-niger die, welche durch Raum undZeit zugleich entfernt sind. Man hatdeswegen den wichtigsten Begebenhei-ten oft die Kraft der Dichtkunst lei-hen müssen, welche uns die Gegen-stände näher vor das Gesicht bringt.

Dieses

') S. in dem XI Buch.