558 Tra
nicht durch die Arbste der Charak»lere des Cato und Titus dazu erho-ben würden. Darin besteht also dasWesen dieser Art, daß sie ihre Größe,oder Würde durch den Charakter derPersonen, der sich dabei) in vollemLichte zeiget, erhalten. So ist derPrometheus des Acschylus! ein son-derbares Trauerspiel, das blos durchden erstaunlichen Charakrcr desPrometheus merkwürdig wird. Sokönnte der Tod des Sokrates, desSeneca, Stoff zu Tragödien dieserArt geben. Die Handlung oder Bc-gebcnheir würde in keinem dieser drei)Falle für die tragische Bühne großgenug scyn; aber der Charakter desHelden könnte so behandelt werden,daß das Stük die Größe und dasPalhos, die zumTrauerspicl erfodcrtwerden, dadurch erhielte.
Trauerspiele von Leidenschaftenwären solche, an denen man die fa-tale Würkung großer, aber vorüber-gehender Leidenschaften vor Augenlegte, des Zorns, der Eifersucht, derRache, des Neides und dergleichen.Auch hier ist die Begebenheit selbstdaS wenigste; nur muß frcylich bcyschädliche» oder gefährlichen Leiden-schaften die Fabel so eingerichtet scyu,daß dieselben unglüklicheWürkuugcnhaben. In dem Leben des Alepa»,dcrs kommen verschiedene tragischeAusbrüche vorübergehender Leiden-schaftcn vor, die für das Trauerspielsehr bequem wären. Der Zorn, derden Tod des Klirus verursachte; dieReue, die daraus folgte; die Rase-rey, während welcher er Persepolisin Brand sielte, und noch mehr der.gleichen! vorübergehende Ausbrücheheftiger Leidenschaften, könnten anseine wachrhaftig tragische Art behalt'delt werden.
Iii Trauerspielen von Bcgebeühei-ten müssen wichtige Unglüksfalle zu-mGrund der Handlung gelegt werden,die schon an sich intereffalit gcniigsind, und die der Dichter noch ba-
T r a
durch merkwürdiger macht, daß er
die verschiedenen Würkungen dersel-ben auf-Personen von hohem Stand,Rang, von merkwürdigem Charak-ter zeiget. Dem Staat den Un-lergang drohende Niederlagen derKriegsheerc, Pest, Verwüstungenganzer Länder, plötzlich einreißendeallgemeine Noch, sind Begebenhei-ten, die leicht zu behandeln sind, undwobey der Dichter die an der Hand-lung theilnehmcndcn Personen in sehrmerkwürdigen Gemürhsfassungcn zei-gen kann.
Endlich hat man noch Unterneh-mungen, die zum Grund-der Hand-,lung können gelegt werden. Verän-derungen im Staat, Unrerdrükimgeines Tyrannen, Hintertreibung ei-nes großen Projccrs und dergleichen.Diese Art ist vielleicht die fchwcrcsiesowol in Behandlung der Charak-tere, als in Ansehung des Mechani-sche« der Kunst.
Dieses waren also dieHauptgat-tungcn des Trauerspiels. Es istnicht zu zweifeln, daß ein Dichter,wenn er nur die Beschaffenheit derdramatischen Handlung überhauptwol stndirt, und die Gattung desTrauerspiels gewählt hat, nicht baldden Weg finden sollte, dasselbe ordent-lich und grünblich zu behandeln-
Es verdienet hier besonders ange-merkt zu werden, auf wie vielerlei)Art das Trauerspiel nützlich stynkönne. Vey den bcyden ersten Gat-tungen ist dieses offenbar genug.Der Dichter hat unmittelbare Gele-genheit dabey, das Eure in den Cha-rakteren und Leidenschaften der Ver-ehrung und Bewunderung der Zu-schauer, das Böse der Verabschcuunzund den Haß derselben, darzustel-len. Hier ist also der Nutzen unmit-telbar, und der Dichter kann leichtvermeiden, daß der Einwurf, denP'aro überhaupt gegen das Trauer-spiel macht, daß es durch Nachah--mung böserSitten dasGemüth nach
«n5