Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
518
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Si8 Ten,

beyderley Art die Langen der eilf Mit-telsten so bestimmen, daß sie vonder sirengsten Genauigkeit wenig ab-weichen. Da nun die Octave ausfünf ganzen Tönen von dcmVerhält-niß Z und zwey halben Tonen vondem Verhältnis; MK besteht, *) wel-che zusammen auch einen ganzen Ton,von beynakc ^ ausmachen, so giebtdie gieichschwedende Temperatur fürdie Oetave zwölf halbe Töne, davonzwey ziemlich genau einen ganzen dia-tonischen Ton von H ausmachen.

Ferner hat jede Sayce dieser Tem-peratur ihre Quinte und Quarte, diefast unmerklich von der völligen Rci-liigkcit dieser Intervalle abweichen.Denn dieQuintcn schweben nur etwaum den zwölften Theil eines großenLochum unter sich, folglich die Quar-ten so viel über sich, welches kaumzu merken ist; die Terzen aber wci.chen vhngefehr um 5 eines Commavon ihrer Rciiugkeit ab.

Da nun durch diese Temperaturalle Consonanzc» beynahe ihre völligeMemigkelt behalten, so scheinet sie al-lerdings vor allen andern den Vorzugzu verdienen. Es laßt sich auch er-weisen, daß keine Temperatur mög.lieh sei), durch welche gar alleConso-tianzen ihrer Reinigkeit ss nahe kom-men, als durch diese. Daher ist esphne Zweifel gekommen, daß sie soviel Peyfgll gefunden hat.

Untersuchet man aber die Sacheetwas genauer, so findet man, daßdiese Vortheile der glcichschwcbcndenTemperatur nur ech falscher Scheinsind, ^ Erstlich ist es schlechterdingsunmöglich, Claviere und Orgeln nachKieser Temperatur zu stimmen, wennNicht jeder Ton in der Ottave nacheinem sehr richtig gctheilten Mo-nochord besonders gestimmt wird.Denn wer kann sich rühmen, nureine Quinte nach dem Gehör so zustimme», daß sie gerade um die Klci-Wgkeit, die die glcichschwebende Tem-S Ssstew.

T e m

peratur erfodert, abwärts schwebe?Was auch die geübtesten Stimmerhierüber versichern mögen, so begreiftjeder unportheyische Bcurkheilcr,daß die Sache nicht möglich sey.Wollte man aljo diese Temperaturannehmen, so müßte bey jedem Cla-vier auch ein richtig gctheiltcs Mo-nochord befindlich seyn, nach wel-chem man, so oft es nöthig ist, stim-men könnte.

Wollte man sich aber anch diesesgefallen lassen, so sind noch wichti-gere Gründe vorhanden, diese Tem-peratur zu verwerfen. Es ist offen-bar, daß dadurch die Tonarten derMusik nur auf zwei) heruntergesetztwürden, die harte und weiche; alleDurtöne wären transponirte Tönedes Ldnr, und alle Molltöne trans-ponirte Töne dcstlmoll. Deswegenfielen durch diese Temperatur gleichalleVortheile, die man ausdcrMan-nichfaltigkcit der Tonarten zieht, völ-lig weg. Diese sind aber zu schatzbar,als daß Tonsetzer von Gefühl sich der-selben begeben könnten.*)

Endlich ist auch noch der Umstandzu bemerken, daß in verschiedenenFällen aus dem reincste» Gesänge,den zweySingestimmen gegen einan-der führen, Terzen entstehen, die dochmerklich höher sind, als die, welchedie gleichschwebcndc Temperatur an-giebt, wie Herr Kirnberger deutlichbewiesen hat. **) In diesen Fallenwürden also die nach der gleichschwc-benden Temperatur gestimmten In-strumente, gegen die Singesiimmenund Violine schlecht harmonircn.

Dieses sind die Gründe, die unsbewegen, die gleichschwebende Tem-peratur, ihrer scheinbaren Vollkom-menheit ungeachtet, zu verwerfen,und ihr die Kirnbergerische vorznzic,hen. Die Stimmung dieser Tempe-ratur,

') S, Poiiarten und Ton.

*') S> dessen Kunst des reinen SützksS. l l. lZ.