Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
509
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Tan

des Werths und der Wurde dessen,was er uns sehen und hören läßt,mit dem dramatischen Dichter umden Vorzug streite.

Zwar wollten wir nicht, daß diealten pantomimischen Tanze in ihremganzen Umfange wieder aufkamen.Eine tragische, oder komische Hand-lung, so vollständig, wie der Dichtersie vorstellt, schiket sich für den Tanznicht. Das Drama, das ohne Re-den vorgestellt wird, ist in Ansehungder Ausführlichkeit nothwendig engereingeschränkt, als das poetische Dra-ma; und diese Einschränkung mußder Balletmeister nicht aus den Au-gen setzen. Wir haben in dem ArtikelDallee sie einigermaßen zu bestimmenversucht.

Daß die Tanzkunst und die Musikaller Wahrscheinlichkeit nach die Hey-den ältesten Künste scyen, ist bereitserinnert worden. Wir wissen auchans verschiedenen Nachrichten, daßbey den Griechen und andern Völkernalter Zeit der Tan; nicht blos zumgesellschaftlichen Ergötzen, sondernbey allen öffentlichen Festen der Reli-gion und des Staates gebraucht wor-den. Wir halten es um so viel un-nöthigcr, uns hierüber weitläuftigeinzulassen, da wir die Abhandlungdes Cahüsac über die alte und neueTanzkunst, nachdem sie auch in einerdeutschen Uebcrsetzung erschienen ist,in den Händen der meisten unsrer Le-ser zu seyn glauben. Wie weit esdieAlten, besonders die Griechen, indieser Kunst gebracht haben, laßt sich,da ihre Tänze für uns verloren sind,nicht sagen. Daß aber die altenTänzer, wenigstens in den spatcrnZeiten, nämlich unter der Regierungdes Augustus, und auch schon etwasfrüher, das Wesentliche der Kunst,nämlich den sittlichen und leidenschaft-lichen Ausdruk, gar sehr in ihrer Ge-walt gehabt haben, laßt sich ausvielen bekannten Erzählungen mitGewißheit schließen. Ich will nnp

T a n sog

eine Anekdote Hiebon anführen. DerCyniker Demetrius hatte das panto-mimische Tanzen, das er nie gesehen,verachtet, und geglaubt, die Bewun-drung, mit der man davon sprach,rühre mehr von der Musik, als vomTanz her. Ein damaliger Tänzerunter dein Kaiser Nero bat ihn, ermöchte ihn nur cinmahl sehen. Die-ses geschah. Der Tänzer hieß dieMusik schweigen, und stellte durchsein stilles Ballet die bekannte Liebes-geschichte des Mars und der Vennsvor. Der Philosoph kam für Ver-gnügen fast außer sich, und rufte demTänzer laut zu:ichhöre, was duvorstellst, ich seh es nicht blos; denndu scheinst mir mit den Händen zusprechen."

Man kann überhaupt anmerken,daß die Alten den Begriff der Tanz-kunst weiter ausgedehnt haben, alsman in den neuer» Zeiten zu thungewohnt ist. Es läßt sich aus einemVers in der Jlias,*) und besondersans einer Anmerkung, die Lucia» inseinem Gesprach von der Tanzkunstdarüber macht, abnehmen, daß auchLeibesübungen, die mit unsrer Fccht-kunst übereinkommen, darunter be-griffen gewesen; und sowol aus dervorher angeführten Anekdote, alsaus viel andern Nachrichten, kannman schließen, daß überhaupt das,was wir itzt das stumme Spie! derSchauspieler nennen, bey den Rö-mern zum Tanzen gerechnet worden.Ueberdem ist bekannt, daß dieAltengar oft besondere Charaktere berühm-ter mythologischer Personen, und aucheiniger Helden durch Solotänze ge-schildert haben; von solchen Schil-derungen aber wissen n.nsre heutigenTänzcr wenig. Man findet so gar,daß sie abstrakte Begriffe durch Tän-ze vorgestellt haben, wie z.B. dieFrcyheit. Sextun' der Empiriker er-zahlt, daß der Tänzer Sostratns,

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') II. II. vll.Sl/.