Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
508
Einzelbild herunterladen
 

5oZ Tan

blos mit der Belustigung der Augenzufrieden seyn soll/'*)

Es wurde ein eigenes Werk crfo-dem» etwas ausführlich zu zeigen,wie die Kunst zu dem Werth und derVollkommenheit, die sie ikrer Naturnach haben konnte, allmählig zu er-höhen sey. Ein Balletmcistcr vonwahrem Genie, wie Novcrue, wirdaus dem, was wir in dem vorher-gehenden Artikel gesagt haben, sichbmlanglich überzeugen können, daßsie einer großen Erhebung über ihregegenwärtige Beschaffenheit fähigsey; zugleich aber wird er auch daswahre Fundament cntdeken, woraufer zu bauen hat, um diese Würdeallmählig zu erreichen.

Was wir von dem Einfluß der Mu-sik auf die Erziehung angemerkt ha-ben, **) gilt auch von der Tanzkunst;und diese muß, da sie nicht ohne Mu-sik seyn kann, noch gewisser würken,als die Musik allein. Ungemeinleicht wäre es, die Kräfte der Poesie,Musik und Tanzkunst bey der Erzie-hung zu vereinigen; weil dazu nichtserfodcrt würbe, als daß man nachLiedern tanzte. Sollte es blos leereEinbildung seyn, es nicht nur fürmöglich, sondern sogar für leicht zuhalten, daß zum Behuf der Erzie-hung eine Sammlung sehr nützlicherLieder verfertiget, in gute rhythmi-sche Musik gesetzt, und auf jedes einschiklicher und der Jugend nützlicherTanz verfertiget würde, der'nichtblos das Rhythmische, sondern auchden Inhalt des Liedes schilderte?

Diese Anwendung des Tanzenswürde frcylich eine beträchtliche Rei-nigung der Kunst von allen blos zier,lichen, und besonders von den über-trieben künstlichen Stellungen und

") II est bonreux gus Ig gante renonceg v empne au'slle peur svoir turer qu elle ne s'srrzctie qu'Iixlüire aux yeux. teures lur

I2 clsnle,

") S. Mustk.

Tat!

Bewegungen erfodcrn. Denn wasallgemein seyn soll, muß auch leichtzu lernen seyn. Man müßte mehrauf Nachdruk, als auf das Künst-liche sehen. Es hat damit eben dieBeschaffenheit, wie mit der Musik.Wer diese auch nur zur Ausübungso vollständig lernen wollte, daß erdie schweresteu Sachen spielen, odersingen konnte, müßte den größtenTheil seiner Zeit darauf wenden.Aber dazu, daß man ein Lied undandre leichtere Sachen gut singe,oder spiele, kanssman gelangen, ohneetwas von dem, was sonst der künf-tigen Lebensart halber zu lernen ist,zu versäumen. Eben so müßte manzum Behuf der Erziehung leichte,aber im Charakter und Ausdrnk wich-tige Tänze haben, die jeder, ohneNachthcil der andern Jugendübuii-gen lernen könnte.

In Ansehung des öffentlichen Ge-brauchs dieser Kunst getrauen wiruns nicht, die mancherlei) Anwendun-gen, die bey verschiedenen Völkernehedem vom Tanzen bey sehr crnsthaf-ten Gelegenheiten gemacht wurden,wieder in Vorschlag zu bringen. lln-sre Zeiten vertragen das Ccrcmonicii-rcichc der öffentlichen Feste, das beyeiner größer» Einfalt des National-charaktcrs von so großer Kraft ist,nicht. Je weiter sich die spekulativeVernunft ausbreitet, je mehr erhebtsich der Mensch über die Sinnlich-keit. Ob er im Ganzen dabcy ge-winne, oder verliere, können wir hiernicht untersuchen.

Demnach bleibet der Tanzkunst ge-genwärtig kaum ein andrer öffent-licher Gebrauch übrig, als ans derSchaubühne. Was für großer Ver-besserung sie aber auch da fähigwäre, haben wir bereits erinnert.*)Man kann, nach der Natlir der Sa-chen, von dem Balletmcister mitRecht fodcrn, daß er in Ansehung

des

*) S. Ballet; Tanz.