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Kunstler Key reifen, Jahren und blosin Absichc auf seine Kunst zu treibenhat, Dieses geht ausfolgende Haupt'punkce: l, Auf allgemeine Kenntnißdes Menschen; auf Kenntniß derhe ondern Charaktere und Sittenganzer Völker und einzcler Menschen;z. ans Kcunrniß der sichtbaren Na.tur. und 4. auf Kenntniß der Kunst-werke und der Künstler.
r. Im Grunde sind die schonenKünste nichts anders, als Knuste, ge-wissen Absichten gemäß auf die Ge-mächer der Menschen zu würken ch:und hieraus erhellet hinlänglich, wieWesenilieh nochwendig jedem Kunst-!er die Kenntniß der menschlichen Na-tur ist. Wie konnte er ohne sie wis-sen, was in jedem Fall crfodcrt wird,Eindrütc von gewisser Art auf die Ge-mürherzu machen? Dieses Studiummuß der Künstler mit genauer Beob.achtung seiner selbst anfangen. Ermuß sich angewöhnen, auf alles, wasin ihm selbst vorgeht, Acht zu haben,und vornehmlich jede Rührung, diemit merklicher Lust oder Unlust ver-bunden ist, folglich Begierde oderAb-tieigung erwekt, genau zu beobachten.Ein Mensch, her sich selbst nie klarund bestimmt bewußt ist, was er denktund empfindet, kann auch andre nichtkennen lernen. Wie so viel tausendMenschen täglich ssorechen, ohne je-mals auf die Sprache, deren fie sich' bedienen, Acht zu haben, um zu nu-te! scheiden, wie vielerlei) Arten derWorter vorkommen, und wie eini-ge davon die Dinge, von denen manspricht, blos bezeichnen, andre ihresortdaurendc Beschaffenheit, noch an-dre vorübergehende Veränderungendarin ausdenken u. f.f.: so geht esauch überhaupt denen, die kein be-solideres Studium daraus machen,mit der Kenntniß ihrer selbst; siereden, handeln, fühlen sich baldangenehm, bald unangenehm ge-tübrct u. s. w. ohne sich jemals derS. Künste.
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Dingt, die in ihnen vorgehen, deut-lich bewußt zu scyn. Sie empfindenjede Leidenschaft, ohne von einereinzigen sagen zu können, was sieeigentlich ist, und wie sie entsteht:sie haben Gefallen oder Mißfallenan vorkommenden Dingen, und wis-sen nie zu sagen, was ihnen eigent-lich daran gefallt, oder mißfallt.Solche Menschen gehören zum ge-meinen Haufen, der überall mecha-nisch handelt, wie die Umstände esveranlassen, ohne recht zu wissen,was er lhut, oder warum er so undnicht anders handelt.
Der Künstler, der sich selbst so we-nig beobachtete, würde noch weit we-niger wissen, was in den Geuiükhernandrer Menschen vorgeht, folglichzu de» wichtigsten Werken der Kunstuntüchtig seyn. Durch ficißigcs Nach-denken über scine Gedanken, Empfin-dungen, deren Veranlassung undBeschaffenheit aber wirb er auch inStand gesetzt, andre Menschen ken-nen zu lernen.
2. Allgemeine Kenntniß der mensch-lichen- Natur ist dem Künstler nochnicht hinlänglich; er hat mehr, wiejeder andere nöthig, die mancherlei)Charaktere und Sitten der Menschenzu kennen. Denn diese sind der wich-tigste Stoff, den jede Kunst bearbci,tet; darum muß er ein besonderesStudium daraus machen, so vieler»lep Menschen, als ihm möglich ist,kennen zu lernen. Er muß sich dieGelegenheit machen, viel mit Men-schen von allerlei) Art, Stand undCharakter umzugehen, vornehmlichabör diejenigen besonder!» Gelegen-heiten zn Nutze machen 5 wo in-teressante Geschäffte sie in volleWürksamkeit st^en, da sich dieStärke des Genies und die Warmedes Herzens frey cntwikeln können.Es ist nicht möglich, die Kennt-nisse dieser Art, die dem Künstlernothwondig sind, anders, als durch«inen ziemlich ausgearbeiteten Um.«
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