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4 (1794) [R - Z]
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Man betrachte nur die Werke der

Künstler, die vorzügliches Genie zei-gen, wie Homer, oder Shakespeareso wird man steh bald überzeugen,daß sie die Gegenstände ihrer Kunstmir weit mehrFleiß und Genauigkeitbetrachtet und überlegt haben, alsandreMenschcn thun, und daß ebendieses ihrGmie in Stand gesetzt hat»sich in den, hellen Lichte zu zeigen,das wir bewundern. Aus jeder Schil-derung sichtbarer Dinge, die Homermit Fleiß einmischt, bemerkt man ei-nen Menschen, der mit außerordent-licher Aufmerksamkeit jeden Gegen-stand betrachtet, auf alles, was dar-in vorkommt, genau Acht hat, undes recht geflissentlich darauf anlegt,ihn in der höchsten Klarheit und Leb-haftigkeit zu sehen. Eben so deut-lich erhellet aus Shakespears sittli-chen und leidenschaftlichen Schilde-rungen, daß er sich ein ernstlichesStudium daraus gemacht hat, jedenCharakter von einiger Kraft, jedeLeidenschaft, bis auf das Innersteihrer Beschaffenheit zu erforschen.Es ist deswegen eben so wichtig zustudiren, als Talente zu haben; dennbeydes muß da scyn, wenn der Künst-ler groß werden soll.

Aber es ist bey der Theorie derKunst nicht genug, daß man dcnKünstler von derNothwendigkeitdesStubirens überzeuge, man muß ihmauch sagen, wie er sein Studium amvorthcilhaftcsten einzurichten habe.Mancher geht lange in der Irre her-um, und gicbt sich viel Mühe, dieihm zuletzt wenig hilft, weil er aufNebensachen studirt har. DiejenigenKunstrichter und Künstler, die gründ-liehen Unterricht zu der vorthcilhaf-testen Art, in jeder Kunst zu studi-ren, gaben, würden dadurch jungenKünstlern einen sehr wichtigen Diensterweisen. Wir halten eine aus derNatur der Sachen hergeleitete An-weisung zum Studiren für mützlicherals alle Regeln, weil das wahre

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Etlidl'nm jeden die Regeln selbst er«findet läßt.

Von dem allgemeinen Studiren,das überhaupt die Aufklärung deSVerstandes und Erweiterung dcrVor-stcllungskrast zum Zwck hat, undwodurch nicht nur der Künstler, son-dern jeder andere Mensch, der sichkünstig in Geschafften, die vorzügli-che Gemüchsgaben erfodcrn, Hervor-thun soll, zu seinem Berufe vorberei-tet wird, wollen wir hier nicht spre-chen, weil es den zukünftigen Künst-ler nicht allein angeht. Doch könnenwir nicht unangemerkt lassen, daßjede Ucbung, wodurch die verschie-denen Anlagen des Genies überhauptentwikclt werden, und jede Kemitniß,die dcn Gesichtskreis des Menschenüberhaupt erweitert, auch dem Künst-ler höchst nützlich sey. Es hatzwatgroße Künstler gegeben, die von denSchulstudicn völlig entblößt gewesen.Aber es laßt sich allemal vermnthen,daß Unwissenheit und engere Schran-ken des Verstandes, die aus Mangelgründlicher Schulstudien herkommen,auch solche große Künstler in man-chem Stük in der Kunst selbst ein-schränken. Man sagt, daß dem gros-sen Raphael die Einsichten einigervortrefflicher Manner von großer Ge-lehrsamkeit, die er sich zu Freundengemacht hat, in manchem Werke,wobcy der Mangel an Studien seinGenie etwas würde gchcmmet haben,sehr nützlich gewesen. Darum wür-den wir allemal rächen, dem künfti-gen Künstler, so viel es, ohne denKunstübungen Abbruch zu thun, ge-schehen kann *), eine sogenannte ge-lehrte Erziehung zu geben. Wenn sienur gründlich ist, so wird sie ihn ge-wiß künftig in der Kunst selbst einigeGrade höher heben, die er ohne diesel-be nicht würde erreicht haben-

Wir haben aber hier eigentlich nprdas Studium zu betrachten, das derGg z Kunst-

S. Hebungen.