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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
455
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um ein ganzes Volk, »nd zur Rei-zung einer edlen Nachciferung ge-braucht werden. Zwar könnte mandiesen Zwck auch schon durch andreEhrenmäler erhalten; aber die Sta-tue bar vor jedem andern Denkmalbeträchtliche Vorzüge wegen der aus-nehmenden ästhetischen Kraft, die inder menschlichen Gestalt liegt, wo-durch die Statue nicht blas ein Zei-chen, oder ein todtcs Sinnbild derTugend ist, sondern einigermaßen dieTugend selbst sichtbar abbildet. Da-durch kann sie außer dem Ehrenvol-len, das sie hat, noch in andern Ab-sichten nützlich werden, wie schonanderswo angemerkt worden ist *).Wir setzen hier voraus, was wirschon einmal""") ausführlicher ange-merkt haben, daß ein wahrer Künst-ler große Seelen in der menschlichenBildung könne sichtbar machen. Ge-schieht dieses in der Statue, so ist sienicht ein bloßes Denkmal, sondernwürket auch auf die, die ihrcnAus-druk zu empfinden im Stande sind,große Gedanken und Empfindungen,die ein anderes Denkmal nicht erwe-ken kann.

Aus diesen Anmerkungen folgetvon selbst alles, was wir übkr die Artund Beschaffenheit dieses Werks derKunst zu sagen haben. Sie stellt ei-nen Menschen vor, der durch außer-ordentliche Verdienste, verehrnngs-wcrth ist. Also muß sie an einemöffentlichen Orte, wo sie.den Augender meisten Menschen ausgesetzt ist,ans ein genugsam erhaben Postamentgesetzt werden, und eine verhaltniß-maßigc Größe haben. Gemeine Le-bensgröße ist zu gering; wie weit manaber darüber gehen soll, muß durchden Platz »nd die Erhöhung des Po-staments bestimmt werden." Dochdieses betrifft nur das Aeußerliche.

Nach dem inner» Charakter mußdie Statue zwar, so viel ohne Ab-') S. Schönheit.

") S Bildhauerkunst l.TH. S.41?.!

bruch des wichtiger» Teiles gesche-hen kann, die Leibesgestalr und Ge-sichtsbildung der Person vorstellen;aber das, wodurch sich dieselbe haupt-sachlich verdient gemacht hat. die ho-he Sinnesart, die eigentliche Größedes Geistes, oder Herzens, die denHanptzug in dem Charaktermacht, -muß vorzüglich darin ausge-drukt seyn, weil dieses wekentlichecist, als die Aehnlichkeit. Also wür-de es hiebey hauptsächlich auf dasIdeal ankommen, dem die Aehnlich-keit, wo es nöthig ist, weichen muß.Es muß sogleich in die Augen fallen,was man an dem Menschen, dessenBild man sieht, zu verehren habeob es ausnehmende Redlichkeit undGüte, oder Standhaftigkeit in gros-ser Gefahr, oder eine andere hoheTugend und Sinnesart ist. Daßdergleichen bestimmter Ausdruk mög-lich sey, sehen wir an einigen antikenStatuen der Götter und Helden, diedas Ideal eines ziemlich genau be-stimmten hohen Charakters ausdrü-ken. Viele antike Statuen der Gott-heiten sind in der That nichts anders,als allegorische Vorstellungen ihrerEigenschaften. Diese nusizten durchmenschliche Bildung ausgedrükt wer-den, weil außer der menschlichen Ge-stalt in der Natur nichts sichtbaresist, das durch eins natürliche, nichthieroglyphischc Bedeutung Eigen-schaften eines denkenden Wesens aus-drükt. So ist Jupiter ein Bild derernsten Hoheit mit Güte verbunden;Pallas ein Bild des höchsten Verstan-des und der höchsten Weisheit u s. f.Plinins sagt von einer Statue desApollodorus, die Silanio gemachthatte, sie habe nickt einen zornigenMenscken, sondern den zornigenCharakter selbst ausgedrükt *). SoFf 4 sollten

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l.. XXXIV. c.8.