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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
436
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Euripides, den er noch überlebt ha-ben soll. Die historischen Nachrich-ten von ihn, lassen sich kurz zusammenziehen. Er war ein gebohrner Athe-mcnscr von geringer Herkunft. Vonden besoneern Veranlassungen, dieihn zum Trauerspieldichtcr gemachtHäven, wissen wir nichts. Die An-zahl aller von ihm verfertigten Tra-gödien soll sich auf >Z5 belaufen ha-ben, und vier und zwanzigmat soller damit den Preis oder Sieg davongetragen haben. Von allen feinenSinken sollen die Anngono und dieiLlektra, die wir beyde noch haben,seinen Mitbürgern am meisten gefal-len haben. Zur Belohnung für dieerster? soll er von dem Volke diePrä-fcktur von Samos bekommen haben.Wermurhlich geschah es auch mehrEhren halber, als wegen seiner Ge-schikllchkcit in Staatsgeschafften, daßer dem Pcnklcs zum Amtsgenosscnin der höchsten Staatöbcdienung istgesetzt worden. Er soll m einem Al-ter von 95 Iahren vor Freude übereinen unverhofften Sieg, den er miteiner Tragödie erhalten hat, gestor-ben leyii.

Man sagt von dem Bildhauer Po-lyklet, er habe eine Statue von soauserlesenen Verhältnissen, und sogroßer Schönheit gemacht, daß sieden andern Künstlern zum Niuster ge-dicnec, und deswegen die Regel ge-nciint worden. Fast jede der siebenTragödien des Sophokles, die wirsioch haben,- verdiente den Namen derRegel dieser Dichmngsart. Wenig-stens dünkt uns, wenn das Ideal ei-ner ganz vollkommenen Tragödie zuentwerfen wäre, daß man es nichtbesser entwerfen könnte, als wennman die Stüke dieses Dichters zumMuster dazu nähme: wiewol wir da-mit gar nicht behaupten wollen, daßkcme Tragödie gut sey, als die nachdiesem Muster gemacht ist.

Dem Plan und der Anordnungnach sind diese Stuft vollkommen.

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Jedes stellt uns eine Handlung vorAugen, die vom Anfang bis zum En-de in uiijrer Gegenwart so vorgeht,daß alles Heu höchsten Grad derWahrheit, den natürlichsten und un-gezwungensten Zusammenhang hat:so daß wir ohne Mühe mir der größ-ten Klarheit den ganzen Zusammen-hang der Sachen fassen, und, wie je-des geschieht, einsehen. Die Hand-lung selbst hat, wenn wir uns alsAlhcnicnscr betrachten, allemal et-was sehr merkwürdiges, und ime-resstrt ohne Unterbrechung vom An-fange bis zum Ende, so daß es unssehr leid thun würde, wenn wir nureinen Augenblik gehindert würden,das, was geschieht, zu sehen oderzu hören.

Seine Personen sind eben so in-teressant, als die Handlungen. Jedehat ihren sehr wolbestimmten eignrcnCharakter, dem alles, was sie sprichtund rhut, vollkommen angemessen ist.Alles, was wir von ihnen hören, undwas wir sie verrichten sehen, HaidasGepräge der Natur, wie sie sim inden Umständen, rmd nach dem Cha-rakter würklich zeiget. Sie handelnund sprechen nicht mit der ganz leich.deuschafrlichen Energie einer noch ro-hen Natur, wie die Personen dcs Ae-schylus; sie setzen nicht in Erstaunen,und erschüttern nicht; aber durchausfühlt man sich mit von tragischemErnst ergrissen. Ueberall ist das Gilt-liehe mir dem Leidenschaftlichen ver«bundcn, und beydes hat einen Gradder Wichtigkeit, der uns durchausgleich stark denken und empfindenläßt. Aber weder in den Gedanken,noch in den Gesinnungen, noch inden Leidenschaften, stößt uns etwasauf, das uns zerstreuet, oder aufNe-benfachen, oder auf den Dichterfüh-ret; weil nichts weder zur Unzeit ge-schieht, noch übertriebe», noch sonstunangemessen, unrichtig, oder un-schiklich ist.

Dieser