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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
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der schwercstcn Arbeiten der schönenKünste. Bey denHandlungenaußcrnsich so sehr viel kleine äußerliche undinnerliche Umstände, wodurch siegenau bestimmt, und individuelwerden, daß es eine höchst schwereSache ist, sie vollkommen auszu-brüten. Es gehört ausnehmendeCcharfsinnigkeit dazu, davon ge-rade das, was die Handlung amgenauesten bestimmt, zu wählen,und einen Ausdruk dazu zu finden,der auch das, was sich nicht sagenläßt, oder zu weitschwcifend scynwürde, den Leser empfinden laßt.Auch hierin ist Homer unstreitig dasgrößte Muster; und wer seine Kräftehierüber versuchen will, darf nurseine Beschreibungen gegen die hal-ten, die in dcr Ilms und Odyssee sohäufig vorkommen.

In Ansehung der Behandlung derSitten fodcrt Aristoteles, daß siegut, geziemend, wahrscheinlich undsich selbst durchaus gleich seyn sollen.Seine Ausleger habeil sehr verschie-dene Meynungen über das, was derPhilosoph durch gute Sitten versiehe.Eine sehr vernünftige Auslegung derRegeln, die Aristoteles über die Sit-ten vorschreibet, hat unser Drcirin-ger gegeben, auf den ich den Leserverweist- *).

Wir finden, daß die Regeln vonBehandlung der Sitten überhaupt,sich auf folgende bringen lassen.Erstlich müssen sie wahrscheinlichsey»; weil wir gar bald die Auf-merksamkeit dem entziehen, wasuns nicht wahr, oder würklich dünkt.Einen Römer ans den alten Zeitender Republik so manierlich Handel»zulassen, als einen heurigen fran-zösischen Hofmann, oder einen Kö-nig so bcdächrlich und so blöde han-deln zn lassen, als einen spitzfündi-den Menschen, der nie unter Men-sehen gelebt hat, würde uns gleich

H S. Vrcitingers kritische Dichtkunst.l.TH. !Z. Abschnitt.

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abschreken, weiter auf das, tvaS

geschieht, Achtung zn geben. Zwcy«tens müssen die Sitten weder imGuten noch im Bosen, weder imEinfachen, noch Verfeinerten über-trieben seyn. Sind sie abscheulich,so wird das Werk anstößig, undmau finver sich gezwungen, die Au-gen davon wegzuwenden. , Sind sieübermenschlich vollkommen, so wer-den sie phantastisch. Dieses giltvornehmlich von Sitten, die manzur Nachahmung als Muster abbil-det. Und in dieser Absicht könnensie auch schlecht werden, wenn mandas Feine darin übertreibet, weilsie alsdann gar leicht in das Ge-zierte, Weichliche, oder Spitzfün-dige ausarten. Es gehört unge-mein viel Verstund und Kenntnißder Welt dazu, iu deu Sitten nichtszu übertreiben.

Drittens müssen sie in Ansehungder Zeit, des Orrs und der Personen,für die ein Werk vornehmlich be-stimmt ist, nichrS unschikliches undanstoßiges haben. Auf unsererSchaubühne würden verschiedeneSitten, die Plaums auf seinerBuhne geschildert hat, sehr unschik«lich seyn. Das, woran gesetzteMänner sich sehr unschädlich ergö-tzen, kann für die Jugend sehr an-stößig seyn. Die tragische Bühneerfoderc andre Sitten, als die conil-sche ü. s. w.

VierienS müssen sie bey einer Per-son, dcyMenschen von cincrleyStand,von einerley Volk, mir dem allgemei-nen Gepräge ihres Charakters über-einstimmend seyn- Ab'.r in den Sit-ten verschiedener Menschen, Standeund Volker muß auch Mamnchfal-tigkeir und Verschiedenheit herrschen.Man erkennet an jedem Helden desHomers die Sitten dcr damaligenGriechen; aber keiner gleichet dem an-dern, und die Ilms enthält bey derallgemeinen Aehnlichkeit der Sitteneine bewundrungswürdige Mannich-

' faltig-