416 S i t
S i t
faltigkeit derselben in den verschiede-nen Personen.
-H- -H-
(*) Von den Sitten, in Rücksicht aufdie Werke der schönen Künste, handeln,»mter niehrern: Aristoteles (In seinerDichtkunst c. 15. (>6) und die verschiede-nen liebers. und Erklärer derselben, vcr-vlichcn mit G. C. Lessingv Dramaturgie,dl. I.XXXIII. Ferner in s. Redekunst,l.ib.11. c. I.) I^orn; (S. die Er-klär. und liebers. s Dichtkunst, zu deni,;6ten u. f. Versen derselben.) — Renele Bossel (im qtcn Buch s. I'rsiie ciuk'ocme Xpiguc s. Ärt. 'Heldengedicht,S. zoü.) —' Ch. Bacreux (In s. Ein-leitung, Bd.». S. 99. d. llcbers. AuSg.v. >774.)—' Maller (In den I'rinc.xour I» Oeökure iles Örar. im ztcnBuche, vorzüglich im ztcn Kap. dessel-ben, Vd. 2. S. z6o.) — Cailhaoa(In den ersten Kap. des itcn BdS. s./.rc lle I- Lcunvllie, S. Art. CoMS-die, S. 5-z.) — xvill. Cook (Indem 8tcn Kap. s. Llemencs vk llrumsr.Lricicism.) — Clement (Im gtenKap. des »tcn Th. seiner Schrift, eis I»legest, mit beständiger Rücksicht aus dieWoitairschcn Stücke.) — und versch. ambrrc mehr.
Sittlich.
(Schöne Künste.)
bezeichnet zwar alles, was zu denSitten gehöret, aber das Wort wirdalich besonders im Gegensatz des Lei-denschaftlichen gebraucht; so wie dieGriechen das:/-Aoe von demunterschieden haben; und in diesemSinne haben wir es an vielen Stellendieses Werks gebraucht. Demnachist das Sittliche in.Werken des Gc-schmaks das, was uns Vorstellungenvon Sitten, von Gesinnungen, Ge-mülhsart, Handlungsweise und Ma-ximen erwekct, in sofern sich dabeykeine merklich starke Leidenschaftenäußern; oder überhaupt, was uns
den Menschen in einem ruhigem Ge-müthszustand vorstellt. Es giebtalso sittliche Schilderungen, sittlicheAcnßemngen, eine sittliche Schreib-art, wie es eine pathetische giebt.
Das Sittliche rühret mit wenige^Kraft, als das Leidenschaftliche; eskann nie erschüttern, nie das Herzzerreißen, noch in heftige Bewun-drung setzen. Aber man würde sichsehr irren, wenn man daraus schlics-seu wolle, es habe überhaupt in denschönen Künsten einen geringemWerth, als das Leidenschaftliche.Nur aufMenschen von etwas gröbe-rem Stoffe, die nicht sehr empfind-sam sind, kann man nicht anders,als durch das Leidenschaftliche wür-ken z aber feinere Gemüthcr werdenauch durch das blos sittliche, zwarnicht ungestüm, aber doch unwider-stehlich angegriffen. Es geht in dersittlichen Welt, wie in der körperli-chen. Wenigdcnkcnde, unachtsameund unwissende Menschen werden nurvon außerordentlichen, sehr stark indie Sinnen fallenden Begebenheitender Natur, durch Sturm, Donner,Erdbeben, Feuersbrünsie und der-gleichen zu ciuigerAnftncrksamkeit undEmpfindung gereizt; weniger in dieAugen fallende Dinge, als die bc-wundrungswürdige Ordnung, nachwelcher alles, was zur Erhaltungtmd Fortpflanzung der Geschöpfe nö«thig ist, unvermerkt bcwürkt wird,rühren sie nicht; abcrDenker, feine-re und empfindsamere Menschen, fin-den in diesen stilleren Begebenheiteneinen weit reichern Stoff zum Ver-gnügen und zur stillen Bewundrung,als in jenen rauschenden. So ist esauch in dem Reiche des Gcschmaks.Eine Comödie, eine Erzählung, oberirgend ein andres Werk dcr-Kunst,darin blos feinere sittliche Gegen-stände geschildert woxdcn, wie belu-stigend oder rührend, wie edel oderwie groß sie auch an sich seycn, oderwie vortrefflich der Künstler ste behan-