Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
413
Einzelbild herunterladen
 

S i n

sehe; sie sind alle gleich sinnlich, abernicht gleich klar. Vom angenehmenund widrigen Geruch hat jedermannklare Vorstellungen; aber in HeydenArten werden sie weit weniger klar,wenn man das Besondere, oderSpe-cifische davon fassen soll. Wennman also die Wörter Rosengeruckund K.iliengeruck tt 't blos zum all-gemeinen Ausdruk der Lieblichkeit derEmpfindung, sondern zur nahernBestimmung der Art der Lieblichkeitbrauchen wollte, würden, sie wenignützen.

Zu dem sinnlichen Ausdruk gehörtauch der Wolklang, und das Em-pfindsame des Tones, nämlich dasFeyerliche, Pathetische, Zärtliche,Fröhliche desselben, das sehr viel zumlebhaften Eindruk bcyträgt.

2. Die schon ihrer Natur nachsinnlichen Vorstellungen tonnen aufsehr vielerlei) Weise noch sinnlichergemacht werden. Sinnlicher wirddie Vorstellung einer geschehenen Sa-che, wenn man, anstatt sie zu erzäh-len, sie in Handlung verwandelt.Darum werden die epischen Dichterso oft dramatisch. So wird derAusdruk einer Empfindung weit sinn-licher, wenn er als eine Handlungvorgestellt wird, besonders wenn dieHanölung an sich schon cewas Nach-drükliches hat. Wenn Genone denParis erinnert, er habe sie ehedemherzlich geliebet, so ist die Sachevöllig sinnlich, bekommt aber einensehr hohen Grad der Sinnlichkeitdurch die Art, wie Dvidius es ihrin Mund legt:

Inclsiie lervsuc a re me» nomins

üigi;

Lc legvr tZcavne talce nocsrsras *).

Sehr vcrmeb-et es die Sinnlichkeit,wenn das Allgemeine besonders ge-sagt wird. Es ist schon sinnlich,wenn man sagt: ich wünsche nicht

H tleroiclum V. io.

Sin 4»z

im Nsbcrflnß 5» leben, sondernbegnüge mich am Norhdürftigen;aber sehr viel sinnlicher ist es, wieHoraz es ausdrükt:

---- Oives ec aurei'zKtercsciu' extlcccc culullisVius Lz-ra repsrsrs mercc.

kle pslcsnr olivse,clckoreli lavezgae mslvsc ^).

Ein besonderes Mittel die Sinnlich-keit zu verstärken ist auch dieses, wennder Künstler, indem er einen der äus-sern Sinnen deschäfftiget, plötzlichauch einen andern zu rühren weiß.Dieses lhut Homer sehr oft, indemer mitten >n der Zeichnung seiner Ge-mählde, da sich unsrc Einbildungs-kraft blos mit Sehen beschässftgct,auch das Gehör durch das Rasselnder Waffen, oder andere Töne, rüh-ret. So ist folgendes aus dem Ho-rn; höchst sinnlich:

Lpirsr allkuc smor,Vivunrgue ceimmiili -.slc-rezHeolisL tiäidus puellsc

Hieher gehören auch die Kunstgriffeder Mahlcr, da sie neben dem Ge-sicht, auch andre Sinnen rühren,wie z. B. poufil» in seinem Gemahl-de von der Pest, wo auch der Ge-ruch stark gerührt wird; over wennein Wähler in Landschaften dasKühleder Schatten, das Rauschen einesWasserfalls, die höchste Stille einereinsamen Gegend, ober im entgegen-gesetzten Falle, die von dem Gesangder Vöget erfüllte Luft auszubrütenweiß; von dem allen aus den Wer-ken der besten Mayler Beyspicle an-zuführen wären.

Uebcrhaupc wird die Sinnlichkeitdurch die vollkommene Erreichungder Natur bey jeder Vorstellung un-gemein vermehret. Das Gemähld

ist

») oa.i, zr.

0ä,IV. s.