Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
409
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Fallen sind wir ganz mit uns selbstbeschäfftigct, oder wir empfinden nuruns selbst.

Mit diesem Falle vergleiche manden, da wir einen sichtbaren Gegen-stand erbliken, dessen Beschaffenheitwir beobachten. Hier unterscheidenwir das, was uns bcschafftiget, sehrgenau von uns selbst. Denn wir se-hen es als außer uns an. Die Auf-merksamkeit hat hier ein Ziel, dasaußer uns zu liegen scheinet, undun-sre angenehme oder unangenehmeExistenz nichts angeht. Je starkerwir unsre Aufmerksamkeit auf dieBeschaffenheit des Gegenstandes rich-ten, je mehr vergessen wir uns selbst.Unsre Würksamkeit geht nun daraufin dem Gegenstand mehr zu sehen,das Mannichfaltigc darin zu entde-ken, und uns selbst Rechenschaft da-von zu geben. Hiebcy äußert sich,indem wir zu erkennen suchen, nichtdas geringste Bestreben, etwas inunsrcr Existenz zu andern; wir wol-len nur sehen, mehr, oder genauersehen, uns selbst wollen wir nichtanders fühlen.

Dieses ist der Unterschied zwischenEmpfinden und Erkennen. In so-fern nun ein Gegenstand auf die Em-pfindung würket, oder das Empfin-den verursachet, wird er sinnlich» ge-nennt; und in sofern es uns zumErkennen, zum Erforschen anreizt,wollen wir ihn crkcnnlich nennen.Man stehet hier sogleich, daß ein undeben derselbe Gegenstand sinnlich,oder erkennlich ist, je nachdem er aufuns würket. Ein schönes Juweelkann bey einem eitelen Menschenplötzlich den Wunsch erweken, es zubesitzen und sich damit zu schmnkcn;denn würkt es Empfindung, und istin sofern ein sinnlicher Gegenstand:bey einem Juwclicrcr macht es viel-leicht hlos die Neugierde rege; er willes naher sehen, genauer betrachten,giebt auf seine Form, auf den Glanz,auf die Beschaffenheit der ^einzeln

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Theile Achtung, schätzt seinen Werthu. s. f. Diesem ist es ein Gegenstandder Erkenntlich, und in sofern nichtsinnlich, ob er gleich durch den Sinndes Gefühls erkannt wird.

Sinnlich Hecht also jeder Gegen-stand, dessen Gegenwart in unsrecVorstellung wir unmittelbar empfin-den, und mit dessen Betrachtung,oder näheren Erforschung wir unsnicht abgeben, wenn wir den Ein-druk davon gleich durch keinen deräußern Sinnen bekommen haben.Jeder Begriff, jede Vorstellung inuns, sie sei) entstanden wie sie wolle,ist sinnlich, in sofern wir uns derEmpfindung, die sie erwekt, alleinüberlassen, ohne näher zu untersu-chen , wie die vorgestellte Sache be-schaffen ist; das ist, in sofern wirblos auf ihre Gegenwart, auf dasEmpfinden derselben Achtung geben.Deswegen heißt auch jeder confuseBegriff, den ein Wort in uns erwe-ket und dessen Beschaffenheit wir nichtnäher erforschen, sondern zufriedensind mit dem, was wir dabey em-pfinden, ohne es weiter zu cntwikeln,ein sinnlicher Begriff. Es ist unsdabey, als ob wir ihn blos aus An-schauen, ohne Nachdenken gegenwär-tig haben, und wir bcfchäffrigen unsblos mit dem Eindruk, den er aufuns macht.

Vorzüglich sinnlich, oder starksinnlich, wollm wir die Vorstellun-gen nennen, die starkes Empfindenerweken, bey dem wir uns verweilen;ein Empfinden, das nicht schnell vor-übergeht, sondern uns gleichsam nö«thiget, auf unser Gefühl, oder un-fern innern Zustand Achtung zu ge-ben. Also sind nicht alle durch auf-sereSinnen crwcktc Begriffe vorzüg-lich sinnlich. Einige erweken ssschwache Empfindung, daß maustekaum gewahr wirb, oder sie verursa-chen eine so schnelle Untersuchung ih-rer Beschaffenheit, daß man dabeysogleich in den Zustand der Betrach.

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