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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
408
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Blumcnleie deutscher Sinngedichte, Verl.1789,179'. 8. -Th. — -»

Sinnlich.

(Schöne Künste.)

Eigentlich wird das sinnlich genennt,wac: wir durch die äußern Sinnendes Körpers empfinden; man hataber die Bedeutung des Worts auchauf das ausgcdehnet, was wir blosinnerlich ohne Zuthun der körperli-chen Sinnen empfinden, wie Begier-de, Furcht, Liebe u. d. gl. DiesesSinnliche, das man auch empfind-bar nennen konnte, wird von demiürkennlichen, wenn ich dieses Wortbrauchen darf, unterschieden. Manhat nämlich bemerkt, daß diese zwcyArten, sich etwas bewußt zu scyn,da man etwas erkennt, oder da manetwas empfindet, sehr von einanderverschieden feyen, und das, wasman empfindet, finnlich genannt.Weil es zur Theorie der schönenKünste nothwendig ist, daß man denUnterschied zwischen Erkennen undEmpfinden genau bemerke, indemdiese Künste sich von den Wissen-schaften darin unterscheiden, daßjene für das Empfinden, diese fürdas Erkennen, arbeiten, so müs-sen wir die Begriffe hierüber genauentwikeln.

Wir sagen, daß wir etwas erken-nen, fassen, oder begreifen, wennwir feine Beschaffenheit wahrnehmen;nnd wir erkennen die Sache deutlich,deren Beschaffenheit wir andern be-schreiben, oder erklären können. BcymErkennen schwebt also unserm Geistetwas vor, oder wir sind uns einerSache bewußt, die wir als etwasvon uns selbst, das ist, von unsrerwürkenden Kraft, vorschiedenes anse-hen, und wir nennen dieses den Ge-genstand der Erkcnntniß. Hingegensagen wir, daß wir etwas empfin-den, wenn wir uns einer in uns, in«nsrer eigenen Kraft, vorfallenden

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Veränderung bewußt sind; wenn wiruns itzt anders gcrühret, oder in ei.ncn andern Zustand versetzt finden,als wir vorher waren. Das Em-pfinden geht unmittelbar unsern in-nern Zustand an; denn bey jederneuen Empfindung sind wir uns ei-ner Veränderung in uns selbst be-wüßt; das Erkennen geht auf etwas,das wir als von uns getrennt an-sehen. Beym Erkennen sind wir Zu-schauer dessen, was vorgeht; beymEmpfinden sind wir selbst das Ding,mit dem etwas veränderliches vor.gehet; und dieses Veränderliche be»obachtcn wir nicht als etwas, dasvon uns verschieden ist, sondern alsetwas, das in unsrer Würksamkeitliegt. Bcym Empfinden ist die Auf-merksamkeit ganz auf uns und aufdie Veränderung in unserm innernZustand gerichtet; beym Erkennenaber geht sie auf etwas von uns ver-schiedenes. Am leichtesten zeiget sichdieser Unterschied in den beyden Fäl-len, da wir selbst vermittelst der äus-sern Sinnen etwas blos empfinden,oder erkennen. Wenn wir Wärmeoder Kalte fühlen, und blos auf dasGefühl selbst Acht haben, ohne aufdas Feuer, oder die kalte Luft, wo-durch es bewürkt wird, Achtung zugeben, so beschäfftigen wir uns blosmit uns selbst. Wir finden uns ineinem Zustande, der etwas eigenes,von jedem andern Zustand verschiede-nes hat. Hier ist nun nichts vonuns verschiedenes, nichts als außeruns sich veränderndes gegenwartig;wir fühlen allein uns selbst; unsreuns gefallende oder mißfallende Exi-stenz. Gefällt uns dieser Zustand,so nennen wir die Empfindung ange-nehm, genießen sie und wünschendarin zu verharren, oder sie noch stär-ker zu genießen. Mißfällt uns derZustand, so äußert sich in der Kraft,die wir als unser eigenes Wesen Em-pfinden, ein Bestreben nach einemandern Zustande. Kurz, in beyden

Fällen