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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
377
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anders sagen, als der Tonsetzer ge-wollt hat. Diese Sucht zu variirenist den Operncomponisten zu stattengekommen, und hat die Passagen ein-geführt, wo über bekannte Transpo-sitionsharmonieu eine nichtsbedeu-iende Folge von Tonen gelegt ist, dieder Ganger nach Lust variiren, unddadurch eine noch weniger bedeutendeGcschiklichkcit zeigen kann, da es inder That eine leichte Sache ist, übereine bekannte Folge von Harmoniengleichgültige, blos das Ohr ergötzendeVariationen in Menge zn machen.Dieser bunte und schekigte Geschmakhat heut zu Tage in Italien, wo dieSingkunst zu Hause gehöret, so über-hand genommen, daß zu befürchtenist, die Singkunst sowol, als auchdie Instrumentalmusik, die jenerSchritt vor Schritt folget, werdenauch bey uns bald in eine völligeTändelei) ausarten, wenn man nichtaufhören wird, dieCastraten für dieersten Richter des wahren und gutenGeschmaks zu erkennen, und ihrenModcnkram für achte Schönheitender Kunst zu halten.

Man muß sich wundern, daß inden Büchern, die zur Singkunst An-leitung geben, wenig oder gar nichtssich auf dcn Ausdruk beziehendes ge-lehrct wird, da dieses doch Haupt-sachlich dasjenige ist, wodurch dieStimme sich vor allen Instrumentenam meisten auszeichnen kann. Maulehrt den Sauger blos die Noten,Manieren und Passagen tt. Tost hathin und wieder in seiner AnleitungzurSingkunst nützliche Anmerkungenüber den Vortrag, wenn er Ausdrukhaben soll, gemacht, und jeder Sän-ger sollte sie auswendig wissen. Daßder Sänger nicht mitten in einemWort Athem holen,^ und daß er dieWorte deutlich aussprechen müsse,versieht sich zwar von selbst; dennochwird hanfig hicwider gefehlet. Die-ses ist nirgends so unangenehm, alsi» Recitativen, wo, wenn man die

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Worte nicht versteht, man aus derganzen Musik nichts machen kann.Da das Recirativ blos für die Sing-stnnme gemacht ist, und auf keinemInstrument gespielt werden kann, soist der Vortrag desselben eine Haupt-sache für den Sänger. Er muß dieGemüchsbewegung und den eignenTon eines jeden Affekts genau kennen,und singend sprechen; jede Abände-rung der Leidenschaft bis austue fein-sten Schaturungen in den Wortenbemerken, und seinen Vortrag dar-nach einrichten; er muß die nach-drüklichstenWorte und dicnachdrük-lichste Sylbe solcher Worte genaukennen, und darauf den Nachdruk le-gen, aber über andere, die von kei-ner großen Bedeutung sind, wegeilen;jedes Eomma, und die übrigen Ab-teilungen der Rede, muß er durchschikliche Senkung der Stimme weni-ger oder mehr fühlbar machen. Die-ses gehört zur Deutlichkeit des Vor-trags; aber er muß immer in einerSprache geschehen, die der leiden-schaftlichen Person, die er vorstellt,angemessen ist. Stärke und Schwä-che, geschwindre und langsamere Be-wegung, Takt und Pausen, alleshangt hier blos von dem Sänger ab,der, wenn er sich nicht völlig in dieLeidenschaft versetzt, die die Worteausdrükcu, statt einer rührendenSprache, der kein Mensch widerste-hen kann , eine Misgcburt zur Weltbringt, und seinen Zuhörern Ekel undLangeweile «nacht. Jede Arie kannauch von einem mittelmäßigen Sän-ger gut vorgetragen werden; aber dasRecirativ ist nur das Werk eines voll-kommenen Säugers, der jede Leiden-schaft kennt, und jeden Ton derselbenin seiner Gewalt hat.

Es ist nicht zu laugnen, daß eineschöne Stimme viel wieder gut macht,was am Vortrag fehlet. Den« kunst-gelehrtcn Sänger gilt diese Entschul-digung nichts; aber dem Liedhaberund vornehmlich dem Frauenzimmer,

Aas denen