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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
135
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Ausbruch des Ucvcls auf eine Zeit-lang heininet, aber die Wurzel dessel-ben nicht abschneidet. Es wäre wolmöglich, Erfahrungen darüber an-zuführen ; aber dieses ist für uns zuweitläuftig.

Ich getraue mir deswegen zu be-haupten, daß die Satirc wol eine be-sondere Aufmerksamkeit von Seitender gesetzgebenden Macht in jedemStaat verdiente. Ao wie die Selbst-rache, in Fällen, wo die Gesetze Ge-nugthuung verschaffen, und dasPasquill, das in Privatfcindschaftgegründet ist, nothwcndig in jedemordentlichen Staat verboten sind,so sollte auf dcr andern Seite der red-liche Satirist von den Gesetzen ge-schützt werden.

, Frcylich würden ihr Schranken zusetzen seyn, die ihrem Mißbrauchzuvorkamen, Gemeine Schwachhei-ten, Vergehungen und Beleidigun-gen, die aus Uebereilung geschehen,alles vorübergehende Schlummern,das keine wichtigen Folgen hat, ver-dienet Nachsicht und sreundschaft-liehe Erinnerung; und alles Böst,das durch Zuflucht zu den Gesetzenkann gehemmt werden, ist von derSatire ausgeschlossen. Die person-liche Satire würde große Einschrän-kung crfodern. Niemand, als derans Bosheit öffentlich sündiget, oderdessen Vergchungen seines Ansehenshalber von schädlichen Folgen sinv,sollte in Satiren gencnnt, oder offen-bar bezeichnet werden *).

') Es kommt bcy her Pcrsonalsatirc sehrviel auf den Charakter der Nation an;und hier verdient angemerkt zu wer-den , daß Key den Griechen und Rö-mern persönliche Anzüglichkeiten ungc-rochen dahingiengcn, die gegenwärtigin den meisten Europäischen Länderntödtlichc Feindschaft verursachen wür-den. Es möchte der Mühe wol werthseyn, den Gründen eines so merklichenUnterschieds zwischen jenen alten undden heutigen Sitten nachzuspüren.Berichch die gar zu große Empstndlicd-kcit für jeden Tadel nicht etwas Klei,

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Allein wir können uns hier nichtin den ausführlichen Vorschlag zueiner Gesetzgebung für die Satireeinlassen. Ich wollte nur erinnern,daß sie nützlich wäre, zugleich aber,daß sie große Vorsichtigkeit erfoderte.Auch möchte es nicht ganz ohne Nu-tzen seyn, denen, die sich unter unsöffentlich als Richter und Bcurthei-lcr dessen, was im Reiche der Wis-senschaften und des Geschmaks vor-geht, aufwerfen, einige Grundma-ximen in Absicht auf die satirischenZüchtigungen, die sie bisweilen vor-nehmen, zur Ueberlcgung anheim-zustellen. Doch es scheinet, daßman den Mißbrauch eingesehen habe.Es ist an unfern guten periodischenSchriften, worin die neuesten Schrift-steller mit republicanischer Freyheitbcurtheilet werden, über diesen Punktwenig mehr zu erinnern, nachdemdie scharfsinnigen Kunstrichlcr vondem ehemaligen AristophanischenMuthwillen, auf eine bescheideneVcurtheilung zurüke gekommen sind,Einzcle hitzige Köpfe, die sich da-durch ein Ansehen zu geben glauben,daß sie mit Muthwillen schimpfenund spotten, wo fie höchstens ihreMcynung mit Bescheioenhcit undeiniger Furchtsamkeit sagen sollten,muß mau ihrem Sinn überlassen, bissie von selbst verständiget werden-

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neS in der GcmüthSart? Mir kommtes so vor, denn es scheinet, daß eingesetzter Man» um so viel weniger denTadel empfinde, je mehr er sich selbstfühlet, und je mehr Freyheit ce sichselbst nimmt, nach seiner eigenen Actzu handeln, ohne sich daran zu kehren,wie andre verfahren. Die allzugeoßeEnipstndlichkeir scheinet erwaS klein-städtisches zu haben; und die Erfah-rung lehret, daß jn kleinen Orlen, wodie Gcmüths - Und Lebensart enge ein-geschränkt ist, heftige Feindschaftenüber Kleinigkeiten einstehen, die un-- tcr Personen, die einen größer» Kreisübersehen, kaum scheele M^'nen wür-den veranlasset hahcn.