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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
134
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fiharfe Galle, oder die Lust laut auf.zulachen, erfodert. Der Satirikernuiß etwas hitzigen Temperamentsseyn, daß er sich von der verdrieß-lichen oder lächerlichen Laune über-nehmen, oder dahin reißen laßt; ernmß nicht traurig, sondern bos wer-den, wo er schwere Vcrgehungensieht; er muß von dem Narren nichtzu einer trokenen Verachtung, son-dern zum Spott gereizt werden; unddas Lacherliche muß nicht dlos sei-nem Verstand ungereimt vorkom-men, sondern sich seiner Einbildungs-kraft in einer wahrhaftig comischenGestalt darstellen, darüber er sichnicht still ergötzt, sondern laut lustigmacht,

Ist er von solcher Gemüthsart, sotvird es ihm zur Lust an der Satiregewiß nicht fehlen, und dann wirdihm auch, wenn er sonst die deinDichter überhaupt nöthigen Gabeneiner lebhaften Schilderung sichtba-rer und unsichtbarer Dinge hat, dieAusführung nicht mißlingen. Nurist ihm vorzüglich der feine Witz-thig, geistreiche Aehnlichkeitcn zufinden, und das, was die Thorhcitdadurch, daß sie gewöhnlich ist, vonihrem Lächerlichen verlieret, rechtauffallend zu machen, indem esdurch völlig ähnliche, aber sehr la-cherliche Gegenstande herausgebrachtwird.

Bedenket man, daß der wahrcZwekder Satirc bcy dem Dichter ein war-mes Interesse für Wahrheit, Gc-schmak und Tugend voraussetzet, undauf der andern Seite, daß Lust zumSpott mit etwas von Verachtung derMenschen und lachende Laune gemei-niglich mit etwas Leichtsinn verbun-den sind: so wird man leicht begrei-fen , daß ein wahrer Satircndichtcretwas seltenes seyn müsse. Einigegcrathcn in würkliche Bosheit, wieAristophanes »ud Swifft; andere gc-rathcn in Possen, wie Scarron, undsuchen bjos uns lustig zu machen.

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Man wird sich deswegen nicht ver«wundern, daß unter der Menge gu-ter Dichter nur wenige zur Satireaufgelegt sind.

Aber es ist nun Zeit, daß wir denNutzen dieser Art näher erwägen.Ich getraue mir nicht zu behaupten,daß Bösewichte, Narren und Thorenvon einerlei) Art, gegen die die Sa-tire eigentlich gerichtet ist, sich da-durch bessern lassen, wicwol auch nichtzu laugnen ist, daß mancher von ih.nen wenigstens schüchtern gemacht,und in einigen Schranken gehaltenwerden könne. Die Hauptsache kommtauf die Würkrmg au, welche manaus den gesunden Thcil der Leser ma-cheN kann. Ich habe bereits an ei-nem andern Orte, wo ich nicht irre,hinlänglich gezeiget, was für guteWürkung die lachende und spottendeSatire haben *). Von der ernsthaf-tem züchtigenden Satire kann manmit Grunde diesclbcWürkung erwar-ten. Selbst der Bösewicht kann nichtleiden, daß er vor den Augen derWelt gepeitscht werde; und michdünkt, daß nichts schreklichercs seynkönne, als öffentliche Schande: siemuß sowol für den, der sie leidet,als für den, den sie warnet, wenner nicht völlig aller Empfindung derEhre beraubet ist, von sehr starkerWürkung scyn. Würde man also zuviel sagen, wenn man den wahrenSatiriker, der dem Eudzwek der Sa-tire Genüge leistet, für ein Geschenkdes Himmels ausgäbe, womit einerganzen Nation höchstwichtige Dien-ste geleistet werden? Ich sehe sie alsWächter an, die ihre Mitbürger vorjeder sittlichen Gefahr auf das nach-drüklichste warnen, und als öffent-liche Streiter, die sich jedem eingeris-senen Ucbel auf die würkfamsie Wei-fe widersetzen. Sie vermögen mehrals äußerliche Gewalt, die nur den

Ans-

*) S. Lächerlich.