Sat
ftgkeit der Zeichnung zubinden, son-dern übertreibet auch wol die Sacheein wenig, und gwbt oft eine seinerLaune gemäße Carrikatur, statt dergenauen Zeichnung. Dadurch suchter durch dic Laune, in dic er seinenLeser versetzet, ihn über dic Aus-schweifung, die er schildert, ver-chießlich zu machen, oder ihn zuVerspottung und Belachnng dersel-ben zu bringen. So unterscheidensich der Satiriker und der Moralist,bei) einerlei) rühmlicher Absicht, durchdie Art der Ausführung.
Frcylich sind sie nicht durchaus,in jeder Aeußerung cinzeler Gedan-ken von einander so verschieden, daßsie gar nie, einer des andern Bahnbetraten. Der Satirenschreiber wirdbisweilen in cinzelcn Stellen einMoralisch, und dieser gerath bis-weilen in das Fach der Satire. Sowenig aber dieser, wenn er auchetwas unwillig wird, sich feindseligzeiget, so wenig nimmt jener denTon eines väterlichen Lehrers an;auch da, wo er den Thoren beleh-ret, thut er es als ein Zuchtmeister.Die Satire fahrt nicht nothwcndigin einem Ton durchaus fort; Un-willen, Spott und Lachen wechselnbisweilen darin mit einander ab;doch scheinet es, daß der lachendeund spottende Ton ihr vorzüglicheigen sey. Der schiklichste Wahl-spruch des Satiristen ist: Uilloullallioere verum. Nur dieses bleibtinnner herrschend, daß die Angriffeauf Unverstand, Thorhcit und La-sier wirklich feindselig seyen, unddaß diese in ihrer widrigen, oderlächerlichen, oder schimpflichen Ge-stalt dargestellt werden. Der Sa-tiriker verfahrt wie ein Feind, derseinem Widersacher den Tod ge-schworen hat, und es so genau nichtimiintt, ob er ihm durch einen gera-den Angriff, oder durch Fechterstrei-che beykomme.
S a t izz
Dieses mag hier hinlänglich scyn,den Charakter der Satirc überhauptzu bestimmen.
Diese Gattung crfodert sowol ei-nen starken Denker, als einen M umvon warmem Gefühle. Großer Ver-stand und Scharfsinn helfen ihm,jede Abweichung von der Natur ge-nau zu bemerken und richtig zu be-urrheilen; sie heben ihn m die Hö-he, von der er dic Menschen über-sehen . und auf ihren Wegen genaubeobachten kann. Sein scbarfesAuge cntdcket die Folgen der Abwei-chungen, und ihre Wichtigkeit; erstehet das noch nicht vorhandeneVerderben, und widersetzet sich ihmnoch zu rechter Zeit. Seine höhernEinsichten setzen ihn m Stand, sei-ne» Mitbürgern die Gefahr, die ih-nen droht, und das Ucbel, das schonan ihrer Wohlfahrt wie ei» Wurmim Verborgenen naget, deutlich vorAugen zu legen; er weiß es geradein das Licht zu setzen, in welchemes den größten Abscheu, oder denstärksten Unwillen, oder die gewis-seste Verachtung, oder Spott undGelächter crwekt.
Die Wärme des Herzens ist seineMuse, die ihn zu dem nützlichenKamps ermuntert, und ihn in dieLaune setzet, dic dem Thoren soschwer wird. Da er Wahrheit, Gc-schmak und gute Sitten über allesliebet, so wird ihm auch keine Mühezu schwer, ihre Rechte gegen jedenAngriff zu vcrthcidigen.
Diese Eigenschaften aber hat erauch mit andern großen Künstlernund Lehrern der Menschen genuin.Ihm besonders eigen aber ist die Gabeder satirischen Laune. Wenn er wieHcraklitus, über dic Thorheiten undVerblendung des Mcnfthen zu wei-nen, oder auch wie Dcmokrilus nurfür sich darüber zu lachen geneigtwäre, so würde er nicht als einZuchtmeister öffentlich auftreten.Dazu wirb nothwcndig eine etwasI z schärft