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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
131
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S a t

Jamben des Archilochns *), diejDden des Horaz, darin er eineCanidia, oder andere Personen feind-selig anfallt, oder endlich die spöt-tischen Sinngedichte, wodurch Mar-tial sichf an manchem Feind rä-chet, unter die Satiren waren gezahltworden.

Auch ist hier überhaupt zu erin-nern, daß die Satirc nicht, wie diemeisten andcrnWerke redender Künste,ihre eigene Form habe. Sie zeigetsich in Gestalt eines Gesprächs, ei-nes Briefes, einer Erzählung, einerGeschichte, einer Epopöe, eines Dra-ma, und sogar eines Liedes. Mo-lieres Tartüsse, des Cervantes DonQuipote, Swiffts Mahrchen von derTonne u. f. w. sind wahre Satiren.Indessen hat der Gebrauch es einge-führt, daß man den Tartüsse eineComodie, den Don Quixote einenRoman und andre Satiren nach ihrerForm und nicht nach ihrem Inhaltenennt. Igt eignet man durchge-hcnds den Namen Satire kleinemsatirischen Slüken zu, die ihrer Formnach zu keiner der gewohnlichen clas-sischen Art der Werke des Gefchmaksgehören.

Aber es ist Zeit, daß wir diese Ne-benbctrachtungcn abbrechen, und denCharakter der Satire näher zu ent-wikeln suchen.

Hier merken wir zuvoderstan, daßihr Stoff eine herrschende Abwei-chung von Vernunft, Geschmak, Tu-gend, von guterLcbensart, oder end-lich von anstandigen Sitten sei), diezugleich Wichtigkeit genug habe, umöffentlich gerüget zu werden, damitdie Menschen davor verwahret, oderdie, welche davon angestekt sind, da-von abgebracht werden. Wirfodern,daß diese Abweichungen herrschendseyen; denn ein einziges, oder seltenwiederkommendes Versehen gegenVernunft, Geschmak, Sitten u. s. f.wird keinen vernünftigen Menschen

,*) S. ArHilvPus.

Sak iz!

veranlassen, eine Satire dagegen zuschreiben. Aber ein eingewurzeltesUebel, oder ein solches, das überhandzu nehmen drohet, ist dieser Bemü-hung schon wcrth. Wir würdenauch unfern Bcyfall nicht gern solchenSatiren geben, die Thorheiten oderLaster ciiizclcr Menschen, deren Wür-kung keinen merklichen Einfluß aufdie Gesellschaft hat, zum Gegenstandnahmen. Sic dienen zwar zur Be-lustigung, und können umer Werken,die blos Scherz und Ergötzung zumZwek haben, und die witzige Köpfe,wie Horaz sagt, in voller Mast zumSpiel vornehmen "), mit gehen.Hiczu aber rechnen wir die nicht,die unter einer gewissen GattungMenschen allgemein gewordencThor-heiten an einzeln Menschen durchzie-hen, von welcher Art HorazcnsSchwätzer-ist Denn da geht dieSatire auf die ganze Gattung, undbekommt dadurch ihre Wichtigkeit.Auch würden wir unter die unbe-trächtlichen Satiren die rechnen, de-ren Inhalt außer der Sphäre der Le-ser, für welche man arbeitet, liegt,als Thorheiten des ganz niedrigenPöbels, der nicht liest; oder wennitzt jemand nachLucianischerArt, aufdie griechische Eötterlchre Satirenschreiben wollte. Diese nnd die vor-hergehende Art mag man immer Sa-tiren nennen: wir zahlen sie in dieClasse der blos scherzhaften Werke,deren einziger Zwek ist, zu belu-stigen.

Der Endzwek der Satire ist, deinUebel, das sie zum Inhalt gewählthat, zu steuren, es zu verbannen,oder wenigstens sich dem weitern Ein-reißen desselben zu widersetzen, unddie Menschen davon abzuschrekcn.Denn Privathaß, oder Groll machtdie Satire cinigermaaßen zum Pas-I 2 quill.

H OMZMVIS vseui..l.6. Vseui gibumkra luginus. 06. I. Z».

S,r. I..I. ?.