Druckschrift 
1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
361
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B e hBehandlung.

(Zeichnende Künste.)

Durch die Behandlung verstehetman die, jedem Künstler besondre,Art, den Pinsel und andre Werkzeu-ge des Zeichnens zu führen, in sofern sie dem Werk einen eigenen Cha-rakter cindrükt. So kann der Ku-pferstecher ein Gesicht durch Punkte,oder durch kleine abgesonderte Stri-che, oder durch Schraffirungen, oderdurch gerade herunterlaufende Paral-lellinien, wiepitteri thut, oder durcheine einzige im Zirkel herumlaufendeLinie, nach Mellans und TurneisersArt, herausbringen. Eben so kannder Mahler die mechanische Führungdes Pinsels auf vielerlei) Arten abän-dern: einer setzet die Farben kühnneben einander, und überläßt derEntfernung, in welcher das Ge-mählde soll gesehen werden, dieseFarben in einander zu schmelzen: einandrer arbeitet sie mit dem Pinsel soin einander, daß keine besonderskann erkennt werden. Fast jeder-Möhler hat seine eigne Art zu ver-fahren, aus welcher feine Hand kannerkennt werden.

Dcrsclbige Gegenstand kann aufmehr als eine Art gut behandelt wer-den; doch ist die Behandlung nichtallemal gleichgültig. Eine Hauptbe-trachtung verdienet ihre Beziehungauf den Ausdruk. Sie kann etwascharakteristisches in Absicht auf den-selben haben , und in so fern muß sieihm gemäß seyn. Es wär ein gros-ser Fehler, wenn eine Behandlung,die den Charakter der Anmuthigkcitmit sich führet, zu einem Gcmähldevon strengem heftigem Inhalt ge-wählt würde; so wie es unschiklichwäre, eine kühne Behandlung, dieFeuer und Heftigkeit verräth, zu ei-nem Gemähldc von sanften; Inhaltzu wählen. Dies ist die vornehmsteBetrachtung, die der Künstler zumachen hat. Vollkommene Meister

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der Kunst müssen ihre Hand jedemInhalt gemäß regieren, und wie eingroßer Kenner von N?illc sagt: mitRigano Rigaud und mit NersckcrnNetscher seyn könnenAuch hier-um hat der Künstler die Natur zurLehrerin anzunehmen, die jedemder Heyden Geschlechter ihre eigeneSchönheit gegeben, und das ernstereGesicht des Mannes nie mit denlieblichen Farben der weiblichenSchönheit bestreut. Wie der Dich-ter seinem Vers Weichlichkeit odereine strengere Harmonie giebt, so mußauch der Mahler, und so der Ku-pferstecher verfahren. Wer nur eineeinzige Art der Behandlung in seinerGewalt hat, muß auch blos Arbei-ten von einer Gattung des Inhaltsmachen. Ein Micciu oder GerhardDow muß keine Schlachten, undeinDourznignon keine Scenen einesblos lieblichen Inhalts mahlen.

Und so wird auch ein verständigerKupferstecher, der sich einmal eineBehandlung angewöhnt hat, sichwol hüten Gemahlde zu unterneh-men, deren Charakter seiner Behand-lung zuwider ist. In den schonenKünsten ist nichts mannigfaltigcrs,als die Behandlungen des Grabsti-chels und der Radirnadel; dabcysind verschiedene Arten so genau cha-rakteristisch, daß man mit einigerZuverlässigkeit sagen kann, sie scyeuzu gewissen Gattungen des Inhaltsdie besten. So kann man gewiß sa-gen , chaß die Behandlung des U)a-rerlo zu der Art der Landschaft, dieer gewählt hat, die beste, und daßCallots Behandlung zu kleinen Figu-ren von lebhaftem Charakter, die be-ste sey.

Diese Materie verdient von einemgroßen Kenner in ihrer ganzen Aus-dehnung bearbeitet zu werden. Die-jenigen, die großen Gallerten vorge-

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H Betrachtungen über die Mahlere» vonHerrn von Hagedorn. S. 766.