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1 (1792) [A - D]
Entstehung
Seite
180
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arbeitung eines jeden Artikels, ganz ge-genwärtig gewesen ist; aber bis auf wel-chen die Sache zurück zu führen, mir derRaum nicht erlaubt. An einem Beyspiclcwill ich indessen die Richtigkeit der obigenBemerkung zeigen. H. Sulzcr stellt den,bei) der Anbetung der Hirten von Raphael,in der Entfernung befindlichen, einfälti-gen Hirten, welcher seine Ehrfurcht, durchAbnehmung seiner Mütze, bezeugt, alszufällig dar; und allerdings läßt sich eineHirten-Anbetung in slzllr-ckio denken, undkann auch eine solche Anbetung in der Na-tur sich cräugnct haben, ohne daß dieserHirte, und auf solche Art, dabey gegen-wärtig gewesen wäre; allerdings erfordertdie Begebenheit allein diesen Hirten nicht;er kann wegfallen, oder da bleiben; al-lein, welcher große Künstler, oder Dich-ter, stellt denn dar, blos um darzustellen?Welchem ist denn Darstellung Zweck? Undnicht vielmehr Mittel? Mittel, alle dieVorstellungen und Empfindungen zu er-wecken, welche eine solche Begebenheit inder Natur erwecken kann? — Hieraufarbeitet er los; dieses ist sein Zweck; unddiesen Zweck kann er nicht erreichen, ohnesein Werk der Wahrheit, der wahren Na-tur, so nahe, als möglich, zu bringen, ohneihm den höchsten Grad der Täuschung zugeben, ohne es so individucl, als möglich,zu machen. Kein Ding in der Natur cr-äugnct sich aber, ohne daß nicht Umständees begleiteten, welche, in Rücksicht aufdie Eräugnung, oder auf das Ding selbst,frevlich gleichgültig sind, welche frcylich,diesen unbeschadet, da scyn, oder wegblei-ben könnten, und welche, in so fern also,zufällig heißen, die aber auch schon inder Natur die Wirkung desselben modifici-ren und bestimmen. Ein und derselbeBaum, allein, oder mit mehrcrn, mitgleichartigen, oder mit ungleichartigen,auf diese oder auf jene Art mit ihnen ge-paart, so, oder anders beleuchtet, aufeiner dürren Haide, oder auf einer blü-henden Wiese befindlich, u. f. w. wirkt je-desmal)! anders aus den Beschauer; und,obgleich die eigentlich anbetenden Hirten,allein, uns für fiel) betrachtet, ver-

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mittelst des Dascyns dieses Blöden undEinfältiger», keinen ansern Eindruckmachen, nicht «nOers wirken: so wir-ken sie, vermittelst desselben, doch tiefer;das heißt: so scheint das Gcmähldc umdesto ehe die wahre Begebenheit darzu-stellen. Dieser Hirte ist also, für dasRünsilcr-Ganze, kcincswegcs zufällig,kann keincswcges wegfallen oder dableiben,so wenig er auch zu dem Natur-Ganzender Begebenheit erforderlich ist; er ist, zurWirkung des erstem schlechterdings noth-wendig, folglich sehr wesentlich. Ohneihn hätte daS Gcmähldc nicht das Anschnder Wahrheit, welches gegenwärtig eshat. Und nicht blos dieses, sondern auchder Reiz der Mannichfaltigkcit, oder Ab-wechselung, welchen es durch diese Gc-genstellung der Figuren, durch diese Ver-schiedenheit des Ausdruckes der Ehrfurcht,erhält, würde, ohne diesen Hirten, ihmmangeln; es würde einförmig erschei-nen. Blos anstanvig aber wird es da-durch gar nicht. Man sieht leicht, wohindieses weiter führt, und daß dadurch kei-neswegcs unschicklich gewählte Ncbenum-ständc, wie die in eben diesem Artikel an-geführten Hund und Katze sind, in Schutzgenommen werden; denn nicht von diesenoder jenen, sondern von solchen Ncben-umstckndcn (wie wir sie in der Natur nen-nen, aber billig in Kunstwerken nicht im-mer nennen sollten) von solchen Ne-bcnumständcn überhaupt, sage ich, istdie Rede. — — Da falsche, oder un-bestimmt und falsch ausgedrückte, Begriffe,nirgends, und am wenigsten in Theorien,gelitten werden sollten, weil sie den größtenThcil des Nutzens, welchen diese noch ha-ben könnten, geradezu vereiteln: so habeich, diese Anmerkung mir zu erlauben,kein Bedenken getragen. Man kann zu-gleich daraus sehen, wie schief und schwan,kend und einseitig das Raisonnemcnt überdie Künste ausfällt, wenn man Begriffeans der Schule gänzlich auf sie anwendenwill, llebrigcus verlange ich hierdurchgar nicht den Artikel gänzlich berichtigt,oder vollendet zu haben; dazu gehörte einganz eigener Artikel. —

Anstößig.