Druckschrift 
Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky
Entstehung
Seite
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Gute an meiner Wohnung zu Leiden. Ohne diesen gemütlichen Reiz hätte ichdarin keine acht Tage ausgehalten. Das Äußere des Hauses war elend undkläglich und mürrisch, ganz unholländisch. Das dunkle, morsche Haus standdicht am Wasser, und wenn man an der anderen Seite des Kanals vorbeiging,glaubte man eine alte Hexe zu sehen, die sich in einem glänzenden Zauber Spiegelbetrachtet. Auf dem Dache standen immer ein paar Störche, wie auf allen hollän-dischen Dächern. Neben mir logierte die Kuh, deren Milch ich des Morgenstrank, und unter meinem Fenster war ein Hühnersteig. Meine gefiederte Nach-barinnen lieferten gute Eier; aber da ich immer, ehe sie deren zur Welt brachten,ein langes Gackern, gleichsam die langweilige Vorrede zu den Eiern, anhörenmußte, so wurde mir der Genuß derselben ziemlich verleidet. Zu den eigent-lichen Unannehmlichkeiten meiner Wohnung gehörten aber zwei der fatalstenMißstände: erstens das Violinspielen, womit man meine Ohren während desTags belästigte, und dann die Störungen des Nachts, wenn meine Wirtin ihrenarmen Mann mit ihrer sonderbaren Eifersucht verfolgte.

Wer das Verhältnis meines Hauswirts zu meiner Frau Wirtin kennenlernen wollte, brauchte nur beide zu hören, wenn sie miteinander Musik machten.Der Mann spielte das Violoncello, und die Frau spielte das sogenannte ViolondAmour; aber sie hielt nie Tempo und war dem Manne immer einen Taktvoraus und wußte ihrem unglücklichen Instrumente die grellfeinsten Keif lauteabzuquälen; wenn das Cello brummte und die Violine greinte, glaubte man einzankendes Ehepaar zu hören. Auch spielte die Frau noch immer weiter, wennder Mann längst fertig war, daß es schien, als wollte sie das letzte Wort behalten.Es war ein großes, aber sehr mageres Weib, nichts als Haut und Knochen, einMaul, worin einige falsche Zähne klapperten, eine kurze Stirn, fast gar keinKinn und eine desto längere Nase, deren Spitze wie ein Schnabel sich herabzog,und womit sie zuweilen, wenn sie Violine spielte, den Ton einer Saite zu dämpfenschien.

Mein Hauswirt war etwa fünfzig Jahr alt und ein Mann von sehr dünnenBeinen, abgezehrt bleichem Antlitz und ganz kleinen, grünen Äuglein, womiter beständig blinzelte wie eine Schildwache, welcher die Sonne ins Gesicht scheint.Er war seines Gewerbes ein Bruchbandmacher und seiner Religion nach einWiedertäufer. Er las sehr fleißig in der Bibel. Diese Lektüre schlich sich in68