reinen Engeln , aber auch nicht bei häßlichen Teufeln zu finden pflegt. DieserZug bedeutete weder das Gute noch das Böse, sondern bloß ein schlimmes Wissen;es ist ein Lächeln, welches vergiftet worden von jenem Apfel der Erkenntnis,den der Mund genossen. Wenn ich diesen Zug auf weichen vollrosigen Mädchen-lippen sehe, dann fühl ’ ich in den eigenen Lippen ein krampfhaftes Zucken,ein zuckendes Verlangen, jene Lippen zu küssen; es ist Wahlverwandtschaft.
Ich flüsterte daher dem schönen Mädchen ins Ohr: „Juffrow! ich will deinenMund küssen
„Bei Gott, Mynheer, das ist ein guter Gedanke!“ war die Antwort, die hastigund mit entzückendem Wohllaut aus dem Herzen hervorklang.
Aber nein — die ganze Geschichte, die ich hier zu erzählen dachte, und wozuder fliegende Holländer nur als Rahmen dienen sollte, will ich jetzt unterdrücken.Ich räche mich dadurch an den Prüden, dergleichen Geschichten mit Wonne
einschlürfen und bis an den Nabel, ja noch tiefer, davon entzückt sind und nach-her den Erzähler schelten und in Gesellschaft über ihn die Nase rümpfen undihn als unmoralisch verschreien. Es ist eine gute Geschichte, köstlich wie ein-gemachte Ananas oder wie frischer Kaviar oder wie Trüffel in Burgunder, undwäre eine angenehme Lektüre nach der Betstunde; aber aus Ranküne, zur Strafefür frühere Unbill, will ich sie unterdrücken. Ich mache daher hier einen langenGedankenstrich -
Dieser Strich bedeutet ein schwarzes Sofa, und darauf passierte die Ge-schichte, die ich nicht erzähle. Der Unschuldige muß mit dem Schuldigen leiden,und manche gute Seele schaut mich jetzt an mit einem bittenden Blick. Je nun,diesen Besseren will ich im Vertrauen gestehn, daß ich noch nie so wild geküßt wor-den wie von jener holländischen Blondine, und daß diese das Vorurteil, welchesich bisher gegen blonde Haare und blaue Augen hegte, aufs siegreichste zerstörthat. Jetzt erst begriff ich, warum ein englischer Dichter solche Damen mit ge-frorenem Champagner verglichen hat. In der eisigen Hülle lauert der heißesteExtrakt. Es gibt nichts Pikanteres als der Kontrast jener äußeren Kälte undder inneren Glut, die bacchantisch emporlodert und den glücklichen Zecher un-widerstehlich berauscht. Ja, weit mehr als in Brünetten zehrt der Sinnenbrandin manchen scheinstillen Heiligenbildern mit goldenem Glorienhaar und blauenHimmelsaugen und frommen Lilienhänden. Ich weiß eine Blondine aus einem
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