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Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky
Entstehung
Seite
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Die Ufergegenden der Elbe sind wunderlieblich. Besonders hinter Altona,bei Rainville. Unfern liegt Klopstock begraben. Ich kenne keine Gegend, woein toter Dichter so gut begraben liegen kann wie dort. Als lebendiger Dichterdort zu leben, ist schon weit schwerer. Wie oft hab ich dein Grab besucht, Sängerdes Messias, der du so rührend wahr die Leiden Jesu besungen! Du hast aberauch lang genug auf der Königstraße hinter dem Jungfernstieg gewohnt, um zuwissen, wie Propheten gekreuzigt werden.

Den zweiten Tag gelangten wir nach Kuxhaven, welches eine hamburgischeKolonie. Die Einwohner sind Untertanen der Republik und haben es sehr gut.Wenn sie im Winter frieren, werden ihnen aus Hamburg wollene Decken ge-schickt, und in allzu heißen Sommertagen schickt man ihnen auch Limonade.Als Prokonsul residiert dort ein hoch- oder wohlweiser Senator. Er hat 'jährlichein Einkommen von 20000 Mark und regiert über 5000 Seelen. Es ist dort auchein Seebad, welches vor anderen Seebädern den Vorteil bietet, daß es zu gleicher Zeitein Elbbad ist. Ein großer Damm, worauf man spazieren gehn kann, führt nachRitzebüttel, welches ebenfalls zu Kuxhaven gehört. Das Wort kommt aus demPhönizischen; die Worte ,,Ritze und,,Büttel heißen auf phönizisch: Mündung derElbe. Manche Historiker behaupten, Karl der Große habe Hamburg nur erweitert,die Phönizier aber hätten Hamburg und Altona gegründet, und zwar zu derselbenZeit, als Sodom und Gomorra zu Grunde gingen. Vielleicht haben sich Flüchtlingeaus diesen Städten nach der Mündung der Elbe gerettet. Man hat zwischen derFuhlentwiete und der Kaffemacherei einige alte Münzen ausgegraben, die noch unterder Regierung von Bera XVI. und Birsa X. geschlagen worden. Nach meiner Mei-nung ist Hamburg das alte Tharsis, woher Salomo ganze Schiffsladungen voll Gold )Silber, Elfenbein, Pfauen und Affen erhalten hat. Salomo, nämlich der König vonJuda und Israel, hatte immer eine besondere Liebhaberei für Gold und Affen.

Unvergeßlich bleibt mir diese erste Seereise. Meine alte Großmuhme hattemir so viele Wassermärchen erzählt, die jetzt alle wieder in meinem Gedächtnisaufblühten. Ich konnte ganze Stunden lang auf dem Verdecke sitzen und an diealten Geschichten denken, und wenn die Wellen murmelten, glaubte ich die Groß-muhme sprechen zu hören. Wenn ich die Augen schloß, dann sah ich sie wiederleibhaftig vor mir sitzen mit dem einzigen Zahn in dem Munde, und hastig be-wegte sie wieder die Lippen und erzählte die Geschichte vom fliegenden Holländer.

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