Druckschrift 
Aus den Memoiren des Herrn von Schnabelewopsky
Entstehung
Seite
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solchem Tage gar nicht zu Mittag speisen Sie ist ein Engel! sagte einst einSeekapitän ganz laut, so daß sich beide Mädchen zu gleicher Zeit umsahen undsich dann einander eifersüchtig anblickten Ich selber sagte nie etwas, undich dachte meine süßesten Garnichtsgedanken und betrachtete die Mädchen undden heiter sanften Himmel und den langen Petriturm mit der schlanken Tailleund die stille blaue Alster, worauf die Schwäne so stolz und so lieblich und sosicher umher schwammen. Die Schwäne! Stundenlang konnte ich sie betrachten,diese holden Geschöpfe mit ihren sanften langen Hälsen, wie sie sich üppigauf den weichen Fluten wiegten, wie sie zuweilen selig untertauchten und wiederauftauchten und übermütig plätscherten, bis der Himmel dunkelte und die gol-dnenSterne hervortraten, verlangend, verheißend, wunderbar zärtlich, verklärt. DieSterne! Sind es goldne Blumen am bräutlichen Busen des Himmels? Sind esverliebte Engelsaugen, die sich sehnsüchtig spiegeln in den blauen Gewässernder Erde und mit den Schwänen buhlen?

- Ach! das ist nun lange her. Ich war damals jung und töricht.

Jetzt bin ich alt und töricht. Manche Blume ist unterdessen verwelkt und manchesogar zertreten worden. Manches seidene Kleid ist unterdessen zerrissen, und sogarder rosagestreifte Kattun des Herrn Seligmann hat unterdessen die Farbe ver-loren. Er selbst aber ist ebenfalls verblichen die Firma ist jetzt ,,Seligmannsselige Witwe und Heloisa, das sanfte Wesen, das geschaffen schien, nurauf weichbeblümte indische Teppiche zu wandeln und mit Pfauenfederngefächelt zu werden, sie ging unter in Matrosenlärm, Punsch, Tabaksrauchund schlechter Musik. Als ich Minka wieder sah sie nannte sich jetztKathinka und wohnte zwischen Hamburg und Altona da sah sie aus wieder Tempel Salomonis, als ihn Ncbukadnezar zerstört hatte, und roch nachassyrischem Knaster und als sie mir Heloisas Tod erzählte, weinte siebitterlich und riß sich verzweiflungsvoll die Haare aus und wurde schierohnmächtig und mußte ein großes Glas Branntewein austrinken, um zur Be-sinnung zu kommen.

Und die Stadt selbst, wie war sie verändert! Und der Jungfernstieg! DerSchnee lag auf den Dächern, und es schien, als hätten sogar die Häuser gealtertund weiße Haare bekommen. Die Linden des Jungfernstiegs waren nur toteBäume mit dürren Ästen, die sich gespenstig im kalten Winde bewegten. Der