— 56 —
den thonigcn Kalkstein und die Kreide in crystallinisch körnigen Mar-mor, der Grünstein den Sandstein in Hornstein umändert. SolcheVeränderungen sind immer, wodurch die obige Erklärung bestätigtwird, in unmittelbarer Berührung mit der vulcanischcn Masse amentschiedensten vor sich gegangen, und verlieren sich allmächtig inEntfernungen von 20 bis 30 Fuß. Alle diese verschiedenen Ver-hältnisse mußten natürlich eine große Manchfaltigkcit von geognosti-schcn Erscheinungen hervorbringen, die allerdings noch manchesUnerklärliche darbieten.
Es ist eine merkwürdige Erscheinung, deren Erklärung vieleSchwierigkeiten darbietet, daß in den altern Gebirgen so wenig Kalkvorkommt, derselbe aber in den neucrn Gebirgen in immer größerenMassen auftritt. De la Beche neigt sich zu der Annahme, daßin späterer Zeit noch Kalkmassen aus dem Innern der Erde emporgedrungen sein müßten. Diese Annahme wird aber dadurch un-wahrscheinlich, daß sich ein solches Hervordringen in keiner einzigenThatsache dircct nachweisen läßt. Mir scheint vielmehr die Erschei-nung darin begründet zu sein, daß sich keine andere Stcinmasse soleicht im Wasser auflöset, als Kalk. Vielleicht enthielten auch dieanfänglich niedergeschlagenen Gewässer sehr viel Kohlensäure, undwaren dann um so mehr geeignet, die ursprünglich vorhandenenund entblößten Kalklagcr aufzulösen, und, so lange der starke atmos-phärische Druck die Kohlensäure zurück hielt, sie aufgelöset zu er-halten. Nach dieser Hypothese setzte das Seewasser vor und nach,und vorzugsweise erst in neuerer Zeit, seinen Kalkgchalt ab, so wiees durch Verminderung des atmosphärischen Drucks seine freie Koh-lensäure verlor.
Nach meiner Ansicht kann es gar nicht bezweifelt werden, daßalle mittlere und neuere Gcbirgsartcn, überhaupt diejenigen, welchesich aus dem Meere oder süßen Wasser niederschlugen, aus der Zer-trümmerung, Verwitterung, Abwaschung und Auflösung der ältcrnund der eigentlich vulcanischcn Gcbirgsartcn entstanden sind. Wennman erwägt, daß solche Zertrümmerungen und Abwaschungen durchden ganzen Verlauf der Erdbildung vor sich gingen, daß auch neuereGebilde oft später wieder zerstört und in die Wassermasscn aufge-nommen wurden; so kann man sich nicht darüber wundern, daßauf solche Art so unermeßliche Ablagerungen sich bilden konnten,deren Massen dennoch gegen die Urgebirgs-Massen sehr geringe sind.Es ist eine im Wasserbau bekannte Erfahrung, daß Wasscrströ-mungen von 15 bis 20' Geschwindigkeit in der Sccundc die här-testen Felsen aushöhlen. Die Flüsse haben sich tiefe Rinnen undThäler in die Gebirge eingeschnitten; an manchen Stellen stehenhohe Felsen über dem Boden empor, in deren Umgebung das we-niger feste Gestein der Gewalt der Fluthen hat weichen müssen; inden Kalkgebirgen sind vielfache große Höhlungen von meilcnwciterErstrcckung ausgewaschen worden; vor der zerströrcnden Kraft desMeeres muß die Festigkeit jeder Gebirgsschicht weichen, wenn dieobwaltenden Verhältnisse seinen Andrang dem Festlande zuwenden.