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0. Geschichtliche Darstellung der bisheraufgestellten geologischen Systeme.
Bevor ich in kurzer geschichtlicher Darstellung die bisher auf-gestellten geologischen Systeme zur Sprache bringen mochte, habeich in dem vorstehenden Abschnitte die Erfahrungssätzc mittheilenwollen, welche durch ältere und neuere Forschungen auf die über-zeugendste und zuverlässigste Weise sind festgestellt worden, und denenjedes geologische System in keinem Punkte widersprechen darf, wennes auf Wahrheit Anspruch machen will. Die mitgetheilten That-sachen können darum auch als Prüfstein für die bisher ausgestelltenHypothesen über die Erdbildung dienen.
Wenn ich nunmehr dazu übergehe, diese Hypothesen zur Erör-terung zu bringen; so muß ich mich des beschränkten Raumes wegenlediglich auf diejenigen geologischen Systeme beschränken, die entwe-der ihres innern Gehalts oder des Rufs wegen, der ihnen zu Theilgeworden, eine größere Beachtung verdienen.
Lichtenberg sagte im Jahre I79b, daß ihm fünfzig ver-schiedene geologische Systeme bekannt seien. Er nannte sie damalsmit vollem Rechte geologische Phantasien, und meint, daß siegroße Wichtigkeit hätten, wenn auch nicht für den Geologen unddie Geschichte der Erde, doch für den Psychologen und für die Ge-schichte des menschlichen Geistes. Als Franklin, damals Gesandteram Pariser Hose, dem Abb«- Soulavie seine geologische Ansichtmittheilte, bekannte er sich dazu, daß er in derselben bloß seinerPhantasie nachgehängt, da er die Zeit nicht mehr habe, die Naturder Erdkugel zu studircn, und so viele Facta zu sammeln, um inseinem Raisonnement nicht über sie hinaus gehen zu dürfen. Sohatten überhaupt die Menschen, bis zum Ablauf des vorigen Jahr-hunderts, noch nicht Zeit gehabt, die nöthigcn Facta zu sammeln,um ihre geologischen Systeme in consequcnter Schlußfolge sicher zubegründen. Sie wiesen darum ein Geschäft des Verstandes ihrerPhantasie zu, und lieferten freilich den Beweis, daß nach ihrenIdeen nie eine geordnete Welt hätte erbaut werden können. Mögendiese Phantasien auf die seltsamsten Abwege geführt haben; siehaben denn doch auch den Weg zu dem Ziele gebahnt, das jetzt er-reicht ist. Die Phantasie jagt, um mich nochmals der Lichten-bergsschen Ausdrücke zu bedienen, in ihrem wilden und rauschendenFluge oft Ideen auf, die sich vor dem Falkenauge des Verstandesversteckt hielten, und welche dieser dann mit Begierde ergreift.Ohne die vermittelnde Kraft der Phantasie sitzen die Begriffe wielauter unfruchtbare Zwitter im Gehirne; es erzeugen sich keineneuen Ideen. In solchen Köpfen liegt in dem einen WinkelSchwefel, im andern Winkel Salpeter, und im dritten WinkelKohlenstaub genug; aber das Pulver erfinden sie nicht. Freilich ist