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phäre. Aus diesem Grunde mußten die Fluthcn der flüssigen Erb-masse ungemein viel bedeutender sein, als jetzt die Fluthen desMeeres sind. Die Fluthcn der Atmosphäre, die jetzt kaum beijahrelangen Beobachtungen merklich werden, mußten bei der damali-gen vielleicht 400fachen Dichtigkeit ziemlich stark hervortreten. Dochverschwanden auch damals wohl diese periodischen Luftschwankungengegen die Winde, welche aus der Ungleichheit und Veränderlichkeit derTemperaturen und andern uns noch unbekannten Ursachen entstehen.Da die Atmosphäre auch damals von der sehr niedrigen Tempera-tur des Weltraums begrenzt wurde; so mußten die Temperatur-Unterschiede und ihre Veränderungen um so größer sein, je höherdie Temperatur der Erdfläche stand. Es mußten also damals Luft-strömungen entstehen, gegen welche unsere jetzigen Sturmwinde nurals matte Zephyre zu rechnen sind. Und mit welcher Gewalt mußtensolche Stürme der Urwelt die flüssige Erbmasse aufwühlen, in welchervielleicht auch noch andere Kräfte thätig waren, von denen wir kaumeine Ahnung haben mögen. Namentlich erinnere ich hier an dieclectrischen Erscheinungen, die unter den damaligen Verhältnissenmit ungemcsscner Kraft auftreten mußten, und wahrscheinlich einesehr bedeutungsvolle Rolle spielten.
Durch Ausstrahlung kühlte sich allmächtig die Erde ab. DieseAbkühlung schritt natürlich für gleiche Zeiten um so stärker fort, jehoher die Temperatur der Erde war. Die Erwärmung durch dieSonne konnte damals den Ungeheuern Wärmeverlust durch Aus-strahlung nur in einem unmerklichen Verhältnisse ersetzen. Es mußtealso bald die Erde so weit abgekühlt werden, daß die Temperaturihrer Oberfläche unter den Schmelzpunkt der Gesteine herab sank.Dann erstarrte diese Oberfläche zu einer crystallinischen festen Masse,und zwar in ihrer ganzen Ausdehnung, Diese starre Rinde derErde mußte aber auf die manchfachste Weise durchbrochen und zu-sammengcthürmt werden. Nur auf ruhigem Wasser bildet sich eineglatte Eisrinde. Auf großen Flüssen schieben sich die Eisschollenhäuserhoch empor, und in unfern Polar-Mceren bilden sich Eisbergevon 150 bis 200' Höhe. Was mußten nun Stürme vermögenvon ungemessencr Kraft, in einer Luft von 400fachcr Dichtigkeit,auf einem Meere, dessen Tiefe bis zum Mittelpunkte der Erde hinabreichte. Es mußten in diesem Ungeheuern Kampfe der Elementedie Granitschollen sich zu Bergen von vielen tausend Fuß Höhe auf-thürmen und zusammenbacken, und zwischen diesen Erhebungen mußtendiese Niederungen, Klüfte und Abgründe zurückbleiben, die jetzt mitjungem Gebirgen und dem Meere überdeckt sind. Von diesem uner-meßlichen Aufruhr in der Natur sind nur noch in den Hochgebirgendie senkrechten oder sogar überhängenden Felswände, die nadelförmi-gen, zackigen Bergspitzen, die zerklüfteten Massen, die von schroffenThalgehängen eingeschlossenen Schluchten, als stumme aber verstän-lichc und glaubwürdige Zeugen übrig geblieben. Man muß dieHochgebirge aus eigener Anschauung kennen, um das ganze Gewichtder Natürlichkeit und Wahrscheinlichkeit dieser Hypothese zu fühlen.